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100 Jahre Willy Brandt - Deutschlands Geschichte eines Jahrhunderts

Willy Brandt, einer der national und international bedeutendsten deutschen Politiker, wäre heute 100 Jahre alt geworden - sein Lebensweg ist ein Abbild der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Am 18. Dezember 1913 wird Willy Brandt in Lübeck unter dem Namen Herbert Ernst Karl Frahm geboren. Seinen Vater lernt er nicht kennen. Er wächst im sozialdemokratischen Haushalt seines Großvaters mütterlicherseits auf und schließt sich jung der sozialistischen Jugendbewegung an, wenig später der SPD und ihrer stärker links abgespaltenen Sozialistischen Arbeiterpartei.

Nach der Machtergreifung der NSDAP flüchtet der junge Frahm nach Norwegen ins Exil. Während der Flucht nimmt er mit gefälschten Papieren den Namen Willy Brandt an. Von Norwegen zieht er weiter nach Schweden, 1937 nach Spanien, hauptsächlich ist er als Journalist tätig. Über den spanischen Bürgerkrieg berichtet Brandt auf republikanischer Seite. Er pflegt Kontakte innerhalb Europas zu sozialdemokratischen Exilgruppen. Im Auftrag einer norwegischen Zeitung kehrt Brandt 1945 ins Nachkriegsdeutschland zurück. Er berichtet über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und pflegt sozialdemokratische Kontakte. Zwei Jahre später kehrt Brandt an der Seite seiner norwegischen Frau Rut endgültig nach Deutschland zurück.

Willy Brandt wird als Deutscher in Schleswig-Holstein wieder eingebürgert. Schnell wird die SPD auf ihn aufmerksam. Kurt Schumacher macht ihn zu seinem Vertreter in Berlin. Regierender Bürgermeister von Berlin wird Brandt im Jahre 1957. 1961 unterliegt Brandt bei seiner ersten Kanzlerkandidatur, wird jedoch fünf Jahre später Außenminister der großen Koalition. Als erster sozialdemokratischer Bundeskanzler löst Willy Brandt 1969 Kurt Georg Kiesinger ab.

Zusammen mit Egon Bahr entwickelt Brandt politische Leitlinien für den Umgang mit dem Osten Deutschlands. "Wandel durch Annäherung" wird sein prägendes Konzept. International findet sein "Kniefall von Warschau" am 7. Dezember 1970 vor dem Ehrenmal der Opfer des jüdischen Ghettos Anerkennung und höchste Beachtung. Es ist Brandts Geste, sie war weder geplant noch vorhergesehen. "Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt", schrieb Brandt dazu später. Am 10. Dezember 1971 wird ihm der Friedensnobelpreis verliehen.

1974 erklärt Brandt in einem handschriftlichen Brief seinen Rücktritt. Günter Guillaume, einer seiner engsten Berater im Kanzleramt, ist ein eingeschleuster Spion der DDR. Schon länger gab es zuletzt Differenzen über Brandts Kanzlerschaft, er selbst wirkt amtsmüde und so wird Helmut Schmidt im Mai 1974 sein Nachfolger. Brandt bleibt weiterhin politisch sehr aktiv und wird zum Ehrenvorsitzenden der SPD ernannt.

Die Grenzöffnung in Berlin 1989 erlebt Brandt an der Seite von Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundeskanzler Helmut Kohl. Brandts Politik im "Wandel durch Annäherung" hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland wiedervereint ist, das "zusammen wächst, was zusammen gehört", wie Brandt sein Lebenswerk zusammenfassen kann.

Am 8. Oktober 1992 stirbt Willy Brandt nach schwerer Krankheit. Auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf findet er seine letzte Ruhe.

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