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Achtjähriges Mädchen reicht im Jemen seine Scheidung ein

Im Jemen gehört die Zwangsheirat leider noch zum Alltag und viele junge Frauen und Mädchen sehen diesem Schicksal mit Schlägen und sexuellen Belästigungen entgegen. Doch ein achtjäriges Mädchen kämpfte, um aus diesem Teufelskreis zu entkommen und beantragte die Scheidung des 30 Jahre alten Ehemann und verklagte den Vater, weil dieser die Zwangsheirat eingefädelt hatte.

Das Schicksal von Nujood Ali ist eins von vielen jungen Mächen im Jemen, mit einem Unterschied: Nujood Ali kämpfte mutig allein gegen alle.

Ihre Eltern verweigerten ihr jegliche Hilfe und so zog sie vor Gericht. Die Achtjährige klagte gegen ihren Mann, der sie über zwei Monate hinweg körperlich und sexuell missbraucht haben soll und ihrem Vater warf sie vor, sie zur Heirat mit dem um 22 Jahre älteren Faez Ali Thamer gezwungen zu haben.

Ihr Ehemann habe sie nicht spielen lassen und sie immer wieder zu sich ins Schlafzimmer geholt und zu sexuellen Handlungen gezwungen, berichtet sie im 'Yemen Times'. "Er war sehr streng zu mir und wenn ich ihn um Mitleid anflehte, schlug, ohrfeigte und missbrauchte er mich."

Zunächst bat Nojood Ali ihre Eltern um Hilfe, doch auch ihr Vater schlug sie und sagte ihr, dass er nichts für sie tun könne: "Wenn du willst, geh alleine vor Gericht."
Gesagt, getan. Das Mädchen zog vor das Gericht in der Hauptstadt Sanaa und forderte: "Ich will ein anständiges Leben und die Scheidung."

Doch Nojood würde es schwer haben, so hieß es, da sie keine Hilfe vom Gesetz erwarten könne. Es ist zwar im Jemen verboten Kinder unter 15 Jahren zu verheiraten, aber die Instanz, die einen Verstoß bestraft, die fehlt. Nach geltendem Recht im Jemen kann also weder dem Vater noch dem Ehemann ein Verbrechen angelastet werden.

Doch in Muhammed Al-Qadhi fand Nojood einen Richter, der ihren Vater und ihren Ehemann zunächst in Gewahrsam nehmen ließ. Der Vater wurde allerdings aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen, während der Ehemann noch in Haft ist. Er wollte einer Scheidung allerdings nicht zustimmen.

Shatha Muhammed Nasser, Anwältin des Obersten Gerichtshofs, welche die Verteidigung des Mädchens übernommen hatte und sie in einem Kinderheimt untergebracht hatte, appellierte an internationale Hilfsorganisation, Druck auf den Jemen auszüben, um solche Zwangsheiraten zu stoppen.

Und es scheint, als habe die Anwältin Erfolg gehabt, denn soeben berichtet der Stern.de, dass die Scheidung durchgesetzt wurde. "Ich bin erleichtert, jetzt geschieden zu sein und wieder zur Schule gehen zu können", habe Nojood, nach der Verkündung des Urteils durch das Gericht in der Hauptstadt Sanaa, gesagt. Nojoods Ehemann betonte vor Gericht, er habe das Mädchen nicht geschlagen. Gegen die Scheidung erhob er keine Einwände.

Im Jemen werden 50% der Mädchen zwischen sieben und neun Jahren zwangsverheiratet. Bürgerrechtsgruppen im Jemen fordern nun die Festlegung eines Mindestalters für die Eheschließung auf 18 Jahre.

Quelle: Yemen Times, Welt-Online
Bild: Yemen Times

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