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Afghanistan: Foto-Skandal schockiert die Öffentlichkeit

Aus Afghanistan wird dieser Tage ein Foto-Skandal mit amerikanischen Soldaten publik. In der Zeitschrift 'Der Spiegel' wurden in der Ausgabe von Montag drei Fotos veröffentlicht, die amerikanische Soldaten zeigen, wie sie mit getöteten Opfern prahlen. Insgesamt soll es bis zu 4000 Fotos der grausamen Morde geben.

Als 'Kill Team' soll ein Gruppe von etwa zwölf Soldaten in Afghanistan systematisch Unschuldige getötet haben. Das Motiv für die Hinrichtungen war offenbar reine Mordlust. Von Januar bis Mai 2010 seien die Zivilisten mit Granaten oder Gewehrschüssen getötet worden, obwohl keine Gefährdung von ihnen ausging. Die Beschuldigten machten sich dabei große Mühe, ihre Morde zu vertuschen, indem sie den Opfern vor ihrer Ermordung Waffen unterschoben. Neben den Fotos sollen sie auch Körperteile der Opfer als Trophäen mitgenommen haben.

Die Beteiligten erwarten nun Prozesse vor dem Kriegsgericht. Der 22jährige Soldat Jeremy Morlock hat bisher drei Morde gestanden und ist zugleich Hauptzeuge gegen den mutmaßlichen Anführer der Gruppe Sergeant Calvin R. Gibbs.

Das US-Millitär bezeichnete die Bilder als abstoßend und im Widerspruch zu seinen Standards und Werten stehend. Es entschuldigte sich für das Leid, das sie verursachten. Der Foto-Skandal verschärft nun womöglich das schwierige Verhältnis zwischen ausländischen Soldaten und Zivilbevölkerung in Afghanistan. Die USA und die Nato befürchten heftige Proteste, die bislang nur aufgrund des Feiertags Nawroz noch nicht hochgekocht sind. Für die USA sind die Fotos auch insofern brisant, da sie derzeit mit Afghanistan über permanente militärische Stützpunkte im Land am Hindukusch verhandeln.

Immer wieder gelangen solche Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten in die Öffentlichkeit. Ob die Folter-Fotos von amerikanischen Soldaten aus dem Iraker Gefängnis Abu-Ghraib oder die Fotos von deutschen Soldaten, die in Afghanistan auf obszöne Weise mit den Schädeln von Toten posierten – solche Bilder zeigen, wie Krieg moralische Maßstäbe korrumpiert, mag er mit noch so ehrbaren Zielen begonnen worden sein.

Die Auswirkungen, die der Foto-Skandal um amerikanische Soldaten in Afghanistan haben wird, sind bislang noch nicht abzuschätzen.

Quelle: spiegel.de, tagesschau.sf.tv
Bild: youtube.com

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