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Alarmierender Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Bereits der erschreckende Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung deutete an, dass Jugendliche vermehrt und immer jünger mit dem Alkoholkonsum beginnen. Diskussionen um "Komasaufen" und "Flatrate-Parties" waren in diesem Jahr an der Tagesordnung. Die alkoholbedingte Ausbrüche aus dem Alltag der Jugendlichen stellen aber nur ein Teil des Problems dar, denn immer mehr Jungs und Mädchen unter 18 Jahren sind regelrecht alkoholabhängig.

Welt-Online berichtet z.B. vom 17-jährigen Marcel, der mittlerweile seinen zweiten Entzug mitmacht. Mit acht Jahren trank er das erste Mal Sangria beim Vater mit, der selbst Alkoholiker ist. Marcel brachte es in seiner Trinker-Karriere zuletzt auf zwei Flaschen puren Wodka pro Tag, und das noch vor seinem 18. Geburtstag. Das Beispiel steht für eine ganze Jugend, die kaum noch zögert auch in ganz jungem Alter harten Alkohol zu sich zu nehmen. Das Einstiegsalter für regelmäßigen Konsum liegt bei 13 Jahren, das Probier-Alter beginnt also bereits davor.

Oft sind ganz typische pubertäre Ängste die angegebenen Gründe für das Trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Frust in Freundschaften, Liebeskummer, Stress in der Schule, für alles scheint die Flucht in den Alkohol die Lösung zu sein. Offensichtlich ist sie das nicht. Dr. Stefan Welma aus der Berliner Vivantes-Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie sagt: "Je früher Jugendliche anfangen, Alkohol zu trinken, desto höher ist die Gefahr, dass sie körperlich und vor allem psychisch abhängig werden."

Jugendliche nehmen das Suchtpotential nicht wirklich wahr. Die Zahl der behandelten Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen in Berlin hat sich zwischen 2000 und 2006 nahezu verdoppelt. Außerdem ist Trinken schick und wird von den Jugendlichen kaum noch versteckt, sondern beinahe zur Schau gestellt. Politiker wie Jugendschützer bemängeln, dass noch immer viel zu leicht an Alkohol heranzukommen sei. Zusätzlich schießen sich Wirte mit "Flatrate-Parties" und Hersteller mit schrillen, süßen Alcopops auf Jugendliche als Zielgruppe ein. Das macht deutlich, dass Alkoholkonsum Jugendlicher ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem ist. Dem großen Angebot, der aufdringlichen Werbung und der fehlenden Kommunikation zwischen Eltern, Jugendlichen und Lehrern gilt es im Kampf gegen frühen Alkoholmissbrauch zu entgegenzutreten.

Bild: tostadophoto.com (Flickr)

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