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British Fritzl: Schwerer Inzestfall in England

Ein nun bekannt gewordener Inzestfall in England ruft die schrecklichen Vorfälle aus dem österreichischen Amstetten ins Gedächtnis. Der Rentner Josef Fritzl hielt seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen und zeugte 7 Kinder mit ihr. Die grausamen Einzelheiten des Falls im englischen Sheffield sind nicht weniger schockierend. Im Juli kam es zur Anzeige, nun ist der Brite verurteilt und die Details schocken die ganze Welt. In England nennen sie ihn bereits den "British Fritzl".

Über 27 Jahre vergewaltigte der heute 56-Jährige Brite seine beiden Töchter, angefangen hatte er damit, als sie gerade mal acht und zehn Jahre alt waren. Wenn sie sich wehrten oder weigerten, strafte der Vater sie mit Schlägen, Tritten und Verbrennungen. Die Mutter hatte die Familie irgendwann verlassen, so dass die Mädchen ganz alleine mit ihrem perversen Vater waren. Dieser schwängerte die beiden insgesamt 19 Mal. Zwischen den späten 1980ern und den frühern 2000ern kamen neun der Babies zur Welt, zwei starben noch am Tag der Geburt. Dazu kamen fünf Fehlgeburten und fünf Abtreibungen. Angesichts dieser Tatsachen scheint es eigentlich schon zu milde, dass der Mann nun zu knapp 20 Jahren Haft verurteilt wurde.

Ein großer Unterschied zum Inzestfall von Amstetten besteht darin, dass der Engländer seine Töchter nicht im Keller oder in einem Verlies gefangen hielt. Allein durch Drohungen und Einschüchterungen brachte er sie zum Schweigen. Heftig diskutiert wird nun auch, dass es über Jahrzehnte zahlreiche Hinweise auf Probleme in der Familie gab. Bereits in der Schule wiesen die Mädchen verdächtige Verletzungen auf, außerdem fanden alle Geburten und Eingriffe in Hospitälern statt, nicht hinter verschlossenen Türen, wie in Amstetten. Dennoch wurde niemand skeptisch, jedenfalls nicht genug, um dagegen vorzugehen. Dazu kam, dass der heute 56-Jährige mit der immer größer werdenden Familie ständig umzog, teilweise zwei Mal im Jahr. Dadurch stellte er sicher, dass die Aufmerksamkeit der Umgebung nicht dauerhaft auf ihn, seine Töchter und Enkel fiel.

In Großbritannien geraten daher nun Lehrer, Ärzte, die Polizei und vor allem die Sozialbehörden ins Visier der Ermittlungen. "Natürlich lautet die Frage, wie in aller Welt so etwas passieren konnte, ohne, dass es jemand bemerkt", sagte Nick Clegg, der Vorsitzende der liberalen Demokraten. Der zuständige Richter Alan Goldsack sagte bei der Urteilsverkündung: "In fast 40 Jahren, in denen ich mich mit Verbrechen beschäftige, ist das das Schlimmste, was ich je gesehen habe. Und es muss gefragt werden, was Behörden, Sozialarbeiter und Ärzte in den vergangenen Jahren getan haben."

Anders als bei den Opfern im Fall Josef Fritzl wird die Identität der Frauen im britischen Inzestfall streng geheim gehalten. Vor Gericht wurde ein kurzes Statement der beiden vorgelesen, darin heißt es: "Die Gefängnisstrafe gibt uns die Gewissheit, dass er uns nicht mehr körperlich verletzten kann. Das Leid, das er angerichtet hat, wird viele Jahre fortbestehen. Wir müssen jetzt die Kraft finden, unser Leben wieder aufzubauen."

Wie in Amstetten zeigt sich der Täter auch in diesem Fall uneinsichtig, Er versteht nicht einmal ansatzweise, welche seelischen Verwüstungen er angerichtet hat", befand der Richter. Welche Folgen der Inzestfall in England für die dortige Behördenarbeit haben wird, ist unklar, doch noch unklarer ist wohl, ob die Opfer des Mannes jemals ein normales Leben führen werden.

Quelle: Sueddeutsche.de, Spiegel Online, Dailymail.co.uk
Bild: YouTube

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