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Christian Wulff hat ersten Prozesstag hinter sich gebracht

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland muss sich ein ehemaliges Staatsoberhaupt vor Gericht verantworten: Christian Wulff hat sich während seiner Amtszeit als Ministerpräsident von Niedersachsen einiges zu Schulden kommen lassen und dies wird seit dem heutigen Donnerstag vor dem Landgericht Hannover verhandelt. Wulff hat den ersten Prozesstag hinter sich gebracht.

Ziemlich selbstbewusst und mit der Mimik eines Menschen, der sich absolut keiner Schuld bewusst ist, trat Wulff vor den Richter. Auf die Frage des Vorsitzenden, was dies für eine Anstecknadel an seinem Revers sei, antwortete der Ex-Bundespräsident: "Das ist das große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, aber in der Ausführung, die man bei solchen Anlässen trägt." Dass es eine Extraausführung des Bundesverdienstkreuzes für Angeklagte gibt, das weiß der Ex-Bundespräsident wohl exklusiv.

Die Anklageschrift besagt folgendes: Nach Meinung der Staatsanwaltschaft habe sich Christian Wulff während seiner Amtszeit korrupt verhalten. Der Mitangeklagte David Groenewold habe den ehemaligen Politiker im Jahr 2008 zu einem Oktoberfestbesuch eingeladen. Daraufhin habe Wulff für ein Filmprojekt des Produzenten Groenewold nach Sponsoren gesucht. Dies sei im Jahr 2012 geschehen. Laut der Anklageschrift liege deswegen Bestechlichkeit vor.

Mit einer Zahlung von etwa 720 Euro hätte Christian Wulff diesen Prozess verhindern können. Aber er verweigerte den Vergleich, weil er sich absolut unschuldig fühle. "Es wäre eine Niederlage des Rechts gewesen", meinte der Ex-Bundespräsidentin nach der Verlesung der Anklageschrift. Er räumte allerdings ein, dass er bei Siemens-Chef Peter Löscher vor fünf Jahren für das Filmprojekt "John Rabe" geworben habe. Ihm habe das Thema des von Groenewold finanzerten Film sehr am Herzen gelegen. Deswegen sei ein Brief an Löscher gegangen.

Nun steht Wulff also als Angeklagter vor dem Richter und grinst, als meine er, schon freigesprochen zu sein. Bis es soweit ist, dauert es aber noch. 22 Verhandlungstage sind angesetzt, 46 Zeugen müssen gehört werden. Und wenn Christian Wulff weiterhin so freimütig zu gibt, dass er während seiner Amtszeit als Ministerpräsidentin "tausende solcher Briefe verschickt" habe, könnte es vielleicht noch länger dauern.

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