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Costa Concordia - Schiffsbergung mit Risiken

Seit 20 Monaten liegt die Costa Concordia vor Giglio - im Januar 2012 war sie vor der Mittelmeerinsel teilweise versunken und riss 32 Menschen in den Tod. Am heutigen Montag hat die spektakuläre Aufrichtung des Wracks begonnen - das Manöver wird den ganzen Tag andauern. Die Angehörigen der letzten beiden Vermissten hoffen darauf, dass bei der Bergung die sterblichen Überreste von den 120 Tauchern entdeckt und aus dem Meer geholt werden.

Es wird die größte und teuerste Schiffsbergung der Geschichte: Die Methode, mit der die Costa Concordia aus dem Meer gehoben werden soll, nennt sich Parbuckling und wird vermutlich 12 - 20 Stunden dauern. Dabei soll das Tonnen schwere und stark beschädigte Unglücksschiff etwa zwei bis fünf Grad pro Stunde bewegt werden. In 30 Metern Tiefe sind an Stahlplattformen Hydraulikzylinder installiert worden und dutzende Stahlseile sollen dabei helfen, das Schiff nach oben zu ziehen. Große Tanks werden die bei der Aktion die auf 80.000 Kubikmeter geschätzten, entweichenden Wassermassen auffangen. Das Parbuckling ist in der Vergangenheit oft angewendet worden, jedoch nie zuvor bei einem so großen Schiff. Die Concordia misst 290 Meter in der Länge und 35 Meter in der Breite. Die Reederei Costa Crociere soll bereits rund 600 Millionen Euro für die risikoreiche Bergung ausgegeben haben.

Die Aufrichtung ist mit der Befürchtung verbunden, dass Schwermetalle sowie organische Substanzen und Öl ausweichen könnten, die nicht komplett amgepumt wurden. Im Inneren der Concordia befinden sich außerdem hunderte von Kühlschränken, 1500 Fernseher sowie Plasmabildschirme. Arpat, die toskanische Umweltschutzbehörde, hat rings um das Schiffswrack Filter installiert, die verhindern sollen, dass eventuell austretende Schadstoffe zu dicht an die Küste gelangen.

Sollte das Wrack bei der Operation zurück ins Meer fallen, könnte Berechnungen zufolge eine anderthalb Meter große Welle entstehen. Die Arbeiter vor Ort wiegeln ab: "Es wird keinen Notfall geben. Für uns ist das ein Routineeinsatz," so ein Feurwehrmann. Es gibt dennoch einen Evakuierungsplan, denn neben den Einwohnern Giglios tummeln sich hunderte von Journalisten, zahlreiche Polizisten sowie Zivilschutzbeamte auf der Insel.

Die Bergung - eigentlich für den frühen Montagmorgen geplant - ist bereits verschoben worden. Starke Gewitter hatten in der Nacht zum Montag die Vorarbeiten am Schiff verzögert. Ein anhaltend schlechtes Wetter könnte das Aus für die Bergungsaktion bedeuten.

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