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Der Müll in Neapel erhitzt die Gemüter

In Italien ist Neapel die Hauptstadt des Mülls. Seit Monaten schaukelt sich die Müll-Krise weiter hoch in der Millionenprovinz. In den Straßen stapeln sich die Abfälle, worunter die Menschen sehr leiden. 1.000 Tonnen Müll schicken die Italiener täglich nach Deutschland zur Entsorgung, davon kostet jede einzelne 270 Euro. Premier Silvio Berlusconi führte seinen Wahlkampf unter anderem mit dem Versprechen, das Problem zu beseitigen. Nun versucht er sich daran zu halten, während die Gemeinden in Neapel protestieren.

Im Vorort Chiaiano z.B. gehen die Einwohner auf die Barrikaden. Dort gibt es eine alte und tiefe Tuffsteingrube, die von der Regierung für eine der Maßnahmen gegen den Müllnotstand genutzt werden soll. Tausende von Tonnen Abfall sollen in klein gepressten Würfeln dort unten entsorgt werden. Die Bewohner von Chiaiano sind sogar so sauer, dass sie am letzten Wochenende für Barrikaden aus Müll und Autos sorgten und sich sogar mit der Polizei prügelten. Nun soll die Grube noch mal auf Tauglichkeit überprüft werden während die Demonstranten ihre Straßensperren entfernen. Es ist klar, dass hier nur Zeit geschunden wird.

Insgesamt ist der Müll in Neapel schon seit 14 Jahren ein Problem. Das Misstrauen der Bürger baute sich vor allem durch zahlreiche Skandale auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehr als zwei Dutzend Personen, die offiziell mit der Müllbeseitigung betraut waren. Es soll mit dem Müll gehandelt worden sein, die Entsorgung lief oftmals unter unzulässigen Bedingungen ab, eine Mülltrennung ist auch teilweise ignoriert worden. Ohne zu wissen, was für eine Art von Abfall man da eigentlich beherbergt, wollen sich die neapolitanischen Orte nicht auf solche Aktionen einlassen. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass sich Gemeinden in dieser Angelegenheit gegen den Staat auflehnen. Wegen der niemals fertig gestellten Verbrennungsanlage in Accera wird gegen Politiker ermittelt, auch dass die Mafia Einfluss hat und mit dem Müll in Neapel viel Geld verdienen kann, ist kein Geheimnis.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi meint vor allem, dass die italienischen Behörden dem Druck der Bürger stand halten müssen. Die Gemeinden fürchten bei der Errichtung von Müllverbrennungsanlagen allerdings um ihre Gesundheit. Zusätzlich stellt sich die Camorra quer. Die städtische Verbrecherorganisation verdient mehr an der Müllkrise und stellt einen nicht unbeachtlichen Teil der Arbeitsplätze in bestimmten Teilen Neapels. Wegen dieser und anderer Beschaffenheiten wird sich erst zeigen, ob die hoch gesteckten Ziele Berlusconis erreicht werden können. Er meinte, innerhalb von 30 Monaten sei der Müll in Neapel Geschichte.

Quelle: Welt Online, Sueddeutsche.de

Bild: Marco (Flickr)

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