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Deutsche können sich immer weniger leisten

Es heißt zwar der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland komme bei den Menschen an, aber es scheint da doch einige Diskrepanzen zu geben.

So berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass sich der Abwärtstrend bei den Nettoeinkommen verstärkt hat. Während sich eine Familie mit zwei Kindern im Jahr 2004 noch 0,4% mehr für ihr Geld leisten konnte als im Vorjahr, nahm die Kaufkraft in den beiden Folgejahren um jeweils 1,1% und 2007 um ganze 1,3% ab. Schuld sei u.a. die Preiserhöhung für Strom, Gas, Benzin aber auch Lebensmittel.

Sicherlich spielt aber auch das Thema Mindestlohn eine Rolle, was sich in den letzten Tagen immer weiter zuspitzt. So ermahnen europäische Gewerkschafter die deutschen Verhältnisse an, denn sechs Millionen Deutsche arbeiten nach dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) für einen Bruttolohn von max. sechs Euro pro Stunde.

Ronald Jannsen (EGB Experte): "Der Exportweltmeister Deutschland ist eines der Länder, das besonders stark vom Problem der Armutslöhne betroffen ist."

In West-Deutschland bekommen Niedriglohn-Arbeiter 6,86 Euro pro Stunde, im Osten 4,86 Euro. So umfasst der deutsche Niedriglohnsektor 22% aller Beschäftigten (Rekord auf dem Kontinent) und gesellt sich zu den 25% Niedriglohn-Arbeiter in Großbritannien und den USA.

Diesem Problem gesellt sich jenes der Zeitverträge und unfreiwilligen Teilzeitjobs, was für viele Frauen mittlerweile die einzige Möglichkeit sei, überhaupt eine Arbeit zu finden. In der EU hätten 32 Millionen Beschäftigte nur einen befristeten Vertrag - das macht 10 Millionen mehr aus, als noch 1997. Die Zahl der Scheinselbstständigen ist seit 2000 von 20 auf 29 Millionen gestiegen.

So fordert die EGB die EU-Staats- und Regierungschefs, die Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung in Europa zu korrigieren. Auch wenn in den letzten zwei Jahren gut 6,5 Millionen neue Jobs entstanden seien, handle es sich hierbei doch mehrfach um prekäre Arbeitsverhältnisse. So seien drei Viertel aller neuen Arbeitsverträge in Frankreich zeitlich befristet. In Spanien haben sechs Millionen Arbeitnehmer Zeitverträge und Italien zählt drei Millionen Scheinselbstständige die nur einen Auftraggeber haben.

Die Zahl von schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnissen ist europaweit drastisch gestiegen. Bereits 17 Millionen Arbeitnehmer in der Europäischen Union würden in Armut leben und 31 Millionen für Hungerlöhne arbeiten.

Quelle: Netzeitung.de

Bild: bw14 (Flickr)

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