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Die Demutsgesten des neuen Papstes: Treibt Franziskus es zu weit?

Ohne Prunk und ohne Pomp will er sein Amt ausführen und fing auch sofort damit an: Gleich in den ersten Minuten seines Pontifikats hatte Papst Franziskus eine Meinungsverschiedenheit mit dem Zeremonienmeister Marino, der bis nach draußen zu hören gewesen sein soll. Der neue Papst hatte sich geweigert die Mozetta, den traditionellen, edlen päpstlichen Schultermantel, anzulegen. "Die kannst du selber tragen" hat er angeblich zu Marini gesagt.

Das Goldkreuz lehnt er ebenso ab, wie die roten Schuhe und auch die Liturgie will er schlicht halten. Statt in päpstlicher Limousine, fährt er mit den Kardinälen im Bus. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, Papst Franziskus sei wie ein "Bruder unter Brüdern" aufgetreten.

Franziskus - den Namen hat er zu Ehren des "Franz von Assisi", dem Wohltäter der Armen, gewählt und er legt sich damit einen sehr hohen Anspruch auf. "Ich wünsche mir eine arme Kirche für die Armen" hatte Franziskus am Wochenende zu Reportern in Rom gesagt und in seinem ersten Angelus-Gebet am Sonntag hatte der Argentinier unterstrichen, dass er als Papst ein Fürsprecher der Armen sein werde und ihm Volksnähe im Zweifelsfall wichtiger sei als Hof-Zeremoniell und Regeln.

Franziskus wählte seine Worte spontan, sie deckten sich nicht mit dem Skript. Er ließ seine Sicherheitsleute einfach stehen mischte sich in die Menge. Vor dem Eingang der Vatikanskirche Sankt Anna hatte er sich direkt in die Menschenansammlung begeben und Chef-Bodyguard Domenico Giani konnte nichts tun, als zusehen. Die Anwesenden waren zuvor nicht nach Waffen durchsucht worden.

Auf Twitter folgen dem neuen Pontifex bereits fast zwei Millionen und die Gläubigen scheinen ihn zu lieben, denn seine Nähe zu den einfachen und armen Menschen fasziniert. Man sagt sich, dass er als Kardinal Bergoglio Kinder taufte, ohne die Mutter nach deren Familienstand zu fragen. Einmal taufte er gleich sieben auf einmal, die Kinder stammten von mindestens zwei verschiedenen Vätern. Nach der Taufe spendierte er Coca Cola und Brötchen und die verlegene Mutter sagte: "Pater, Sie geben mir das Gefühl von Wert und Wichtigkeit." Der spätere Papst soll erwidert haben: "Was habe ich damit zu tun? Jesus ist es, für den Sie wertvoll sind.",

Heute Mittag empfing Franziskus in Rom die Präsidentin Argentiniens Cristina Kirchner. Morgen wird er seine erste Runde im Papamobil drehen, ausserdem wird er feierlich in sein neues Amt eingeführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird anwesend sein und auch Fürst Albert, US-Vizepräsident Joe Biden, sowie Spaniens Kronprinzessin Letizia werden erwartet.

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