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Die türkische Regierung erschwert den Erwerb und Konsum von Alkohol

Die Türkei ist ein muslimisches Land, allerdings ein eher zurückhaltendes. Kaufte man bisher Alkohol in einem Laden, so konnte man sich darauf verlassen, dass der Verkäufer die Ware dezent in Zeitungspapier einwickelte. Die Religion verbietet es nun mal, getrunken wird in der Türkei trotzdem. Offen mit alkoholischen Getränken herumzulaufen ist verpönt, Bestellungen übers Internet oder Telefon direkt nach Hause sind daher sehr beliebt. Dies will die türkische Regierung künftig unterbinden.

Neue Bestimmungen prangern die Rolle von Alkohol in der türkischen Gesellschaft deutlich an. Bald darf nicht mehr für Alkohol geworben werden, Geschäfte dürfen nicht mal mehr mit Reklame locken. Ebenso dürfen Herrsteller von alkoholischen Getränken nicht mehr als Sponsoren für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden. Sogar die traditionellen Geschenkpakete, die man in der Türkei gerne zu Silvester verschenkt, dürfen keine Promille mehr enthalten.

Die wohl bezeichnenste Neubestimmung untersagt den Erwerb von Alkohol über Telefon, Internet oder andere Vertriebswege, die den Gang in den Laden vermeiden. Solche die trinken möchten, sind somit gezwungen, Farbe zu bekennen und sich öffentlich beim Kauf zu zeigen. Diese Brandmarkung von Alkoholkonsum zeigt, dass es weniger um medizinische Gründe als um die Wahrung religiöser Werte geht.

Der Alkoholverzehr ging in der Türkei bereits im letzten Jahr um zehn Prozent zurück. Experten befürchten nicht nur schwierige Wettbewerbsbedingungen für die Fabrikanten von Alkohol, sondern auch eine fortschreitende Islamisierung der türkischen Gesellschaft. Auch die türkischen Medien reagierten kritisch auf die angekündigten Maßnahmen.

Quelle: Welt Online
Bild: Javier Parra (Flickr)

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