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Die umstrittene Dokumentation zur Sterbehilfe

Gestern Abend wurde in England auf dem Privatsender Sky eine umstrittene Dokumentation zur Sterbehilfe ausgestrahlt. Der Film "Right to Die?" spaltet Großbritannien, eigentlich spaltet das ganze Thema der Sterbehilfe das Land. Der schwerkranke Brite Craig Ewert ließ sich von Kameras auf seiner Reise in die Schweiz begleiten, wo in bestimmten Einrichtungen Sterbehilfe unter einigen erfüllten Vorraussetzungen legal ist.

Der 59-Jährige Craig Ewert litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit, konnte zur Zeit des Drehs bereits seine Arme nicht mehr nutzen. Er selbst sah nur zwei Möglichkeiten: "Entweder zieh ich es durch, oder ich sage, nein, ich habe zu große Angst davor, und ich mache es nicht. Zieh ich es durch, dann sterbe ich. Wenn ich es nicht mache, dann werde ich leiden und meine Familie leiden lassen. Und dann sterben." Mit seiner Frau Mary reiste der ehemalige Universitätsprofessor in die Schweiz, um mithilfe der Organisation Dignitas seinen Freitod vorzubereiten. Die Kameras sind immer dabei, und "Right to Die?" zeigt diesen Weg.

Am Ende tut er es dann. Craig Ewert verabschiedet sich von seiner Ehefrau, die beiden waren 37 Jahre verheiratet. Dann nimmt er einen tödlichen Gift-Cocktail zu sich und betätigt mit dem Mund einen Knopf, der durch eine Zeitschaltuhr das Beatmungsgerät nach 45 Minuten ausschaltet. Die Kamera läuft die ganze Zeit weiter. Schon vor der Ausstrahlung zeigten sich die britischen Medienverbände empört. "Ich bin mir nicht sicher, dass der Augenblick des Todes eine Angelegenheit fürs Fernsehen wäre. Noch besorgniserregender ist aber die Möglichkeit, dass der Film den falschen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben könnte", sagt John Beyer von der Mediawatch-UK. Gemeint ist, dass viele kranke Menschen durch eine Doku wie "Right to Die?" erst auf die Idee kommen könnten, ihr Leiden zu beenden.

Szenen aus dem Dokumentarfilm "Right to Die?"

Die Witwe Mary Ewert verteidigte den Film und setzte sich bis zum Schluss für die Ausstrahlung ein: "Indem er seine letzten Momente filmen ließ, ging es meinem Mann darum, sich ehrlich dem Ende des Lebens zu stellen. Wenn der Tod privat und versteckt ist, verdrängen die Menschen ihre Angst davor. Mein Mann war Lehrer, und gewissermaßen hat er diesen Film als Lehrer gemacht." Auch der Regisseur John Zaritsky sieht Relevanz in seinem Film. "Ich glaube, dass es wichtig ist, die Menschen in die Welt des begleiteten Selbstmords mit zu nehmen, da, wo es legal ist, in der Schweiz. So bekommen die Menschen eine Vorstellung davon, ob das richtig ist oder nicht", sagt Zaritsky. Der Dokumentarfilmer erhielt für seine Werke bereits über 30 Auszeichnungen, 1982 sogar einen Oscar.

Das Thema Sterbehilfe ist weltweit umstritten, die Organisation Dignitas konnte seit ihrer Gründung schon über 600 Menschen auf ihrem Weg aus dem Leben begleiten. Immer häufiger reisen Menschen in die Schweiz, um von der Gesetzeslage zu profitieren. Durch die Dokumentation "Right to Die?" von John Zaritsky kann sich der Zuschauer zumindest selbst ein Bild zum Thema Sterbehilfe machen.

Quelle: tagesschau.de, Welt Online
Bild: YouTube

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