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Döner-Morde: Das Unwort des Jahres 2011

Jedes Jahr ernennt eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern ein Wort des vergangenen Jahres, welches sachlich unangemessen oder eine inhumane Formulierung ist. Mit dem Gewinner-Unwort 'Döner-Morde' hat die Jury also ins Schwarze getroffen!

Mit diesem Begriff wurde eine Mordserie zwischen 2000 und 2006 bezeichnet, bei welcher neun ausländische Kleinunternehmer getötet wurden. Da zwei der Opfer Döner-Imbisse führten, wurden die Verbrechen von der Polizei und den Medien oft als 'Döner-Morde' bezeichnet. Nach anfänglich erfolglosen Ermittlungen, wurden die Verbrechen schließlich der rechtsextremen Zwickauer Zelle zugeschrieben.

Das Schlagwort verhamlost also nicht nur die Mordserie, sondern diskriminiert die Opfer. Die Sprach-Jury erklärte, dass die Opfer dieser rechts-terroristischen Mordserie mit der Bezeichnung Döner-Morde 'aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert' worden seien. Weiter erklärte die Sprecherin der Jury: 'Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt.'

Das Zentrum für Türkeistudien in Essen begrüßte die Entscheidung. So formulierte der wissenschaftliche Direktor Haci-Halil Uslucan: "Denn nicht Döner, sondern Menschen sind getötet worden".

Mit dem Unwort Döner-Morde wählte die sechsköpfige Jury den klaren Favoriten, insgesamt 269 Nennungen fielen auf diesen Begriff. Dieses Jahr lagen den Sprachexperten 2420 Einsendungen mit 923 verschiedenen Wörtern vor, was einem historischen Höchststand der Bürgerbeteiligung gleichkommt.

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