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England: Die "Atheisten-Busse" sorgen für erhitzte Gemüter

In England startete Anfang des Jahres ein kleine Bus-Kampagne der Atheisten, also der Menschen, die nicht an Gott glauben. Auf Bussen im gesamten Königreich waren atheistische Slogans zu lesen wie "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt hören Sie auf, sich darüber Gedanken zu machen und genießen Sie Ihr Leben." Nicht nur, dass die Kampagne riesige Wellen schlug und schnell in anderen Ländern kopiert wurde, auch die religiösen Verbände konnten das nicht auf sich sitzen lassen.

Die "Atheist Bus Campaign" war eigentlich aus einer fixen Idee entstanden. Nachdem die Journalistin Ariane Sherine einst christliche Plakate auf Bussen sah, stellte sie die Behauptung auf, dass man mit 4680 Atheisten ebenfalls eine Kampagne auf die Beine stellen könnte. Menschen sollten sich verpflichten, fünf britische Pfund beizusteuern, wenn mindestens 4679 andere Atheisten es auch täten. Tatsächlich kamen über 6000 Spender zusammen und Anfang des Jahres wurden hunderte Busse mit den Bannern ausgestattet. Dabei ging es den Atheisten nicht mal darum, die gläubigen Christen zu bekämpfen, eigentlich versuchen sie mehr auf bestimmte Tendenzen hinzuweisen, z.B. dass in Grobritannien zunehmend Politik und Religion vermischt werden. Mitinitiator Jon Worth sagte der "ZEIT" im Gespräch: "Grundsätzlich wollten wir einfach Leute zum Nachdenken bringen."

In Spanien ist die Kampagne inzwischen ebenfalls umgesetzt, kanadische und italienische Atheisten sind bereits in der Planungsphase. Auch in Deutschland hätte man schon "ein paar Leute kontaktiert." Allerdings sind nicht nur die Atheisten auf der Hut. Nachdem weit über 300 Klagen beim britischen Werberat wirkungslos abgeschmettert waren, versuchten die Christen, die Ungläubigen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Laut "Welt Online" investierte die Christliche Partei umgerechnet rund 17.000 Euro und sicherte sich damit ebenfalls Busflächen. Der Slogan war an den der Atheisten angelehnt: "Es gibt Gott ganz sicher. Also treten Sie der christlichen Partei bei und genießen Sie ihr Leben."

Der Parteivorsitzende George Hargreaves äußerte sich erbost über die "Atheist Bus Campaign": "Ich war es leid, diese Botschaften auf den Bussen zu sehen, die an meinem Fenster vorbeifahren, und ich wollte den Leuten die Chance geben, etwas Hoffnungsvolles zu lesen." Es folgten weitere religiöse Verbände mit ähnlichen Werbesprüchen, darunter kleine christliche Gruppierungen und z.B. die russisch-orthodoxe Kirche. Der Streit um die Frage, ob Gott existiert, fährt seither durch ganz Großbritannien. Einen Sieger wird es wohl kaum in diesem fragwürdigen Wettbewerb geben, die Idee mit der Bus-Kampagne geht aber ganz klar auf das Konto der Atheisten.

Bild: AtheistCampaign.org

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