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Erdbeben in Italien: Die Welt will helfen

Ganz Italien ist nach dem schweren Erdbeben in und um L'Aquila von einem Sturm der Solidarität erfasst worden. "FOCUS Online" berichtet, dass die Hilfsbereitschaft im gesamten Land enorm sei. Streikende Arbeiter aus Venedig stiften Geld, bei den Blutspenden herrscht großer Andrang, sogar Spendenaufrufe und Benefizkonzerte werden aus dem Boden gestampft. Am Karfreitag wird außerdem ein Staatsbegräbnis für die Opfer des Erdbebens stattfinden, Papst Benedikt XVI kündigte an, direkt nach Ostern in das Katastrophengebiet zu reisen.

Aber auch in anderen Ländern sind das Mitgefühl und die Bereitschaft zu helfen groß. In Deutschland sprach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier dem italienischen Volk nicht nur sein Beileid aus, in einem gestern veröffentlichtem Schreiben an seinen italienischen Amtskollegen Franco Frattini bot er auch Hilfe an: "Bitte lassen Sie es mich wissen, wenn Sie Hilfe benötigen. Wir sind jederzeit bereit, den Einsatz der italienischen Katastrophenhilfe nach Kräften zu unterstützen." Etwas konkreter ist da schon Popstar Madonna. Laut "n-tv.de" will die 50-Jährige eine halbe Million Dollar spenden, ihre Vorfahren lebten in der vom Erdbeben betroffenen Region Abruzzen.

Derweil lehnte Ministerpräsident Silvio Berlusconi jede Hilfe aus dem Ausland ab. Die Italiener seien ein "stolzes Volk" und kämen alleine auf die Beine. Laut "Süddeutsche.de" gab die Regierung 130 Millionen Euro Nothilfe für die Rettungsarbeiten frei, die Kosten eines Wiederaufbau werden auf 1,3 Milliarden geschätzt. "Euronews" berichtet, in einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama habe Berlusconi sich schließlich doch bereit erklärt, Hilfe beim Aufbau der Kirchen und Kulturdenkmäler anzunehmen. Außerdem bat er scheinbar um Gelder aus dem EU-Notfallfonds.

Auch wenn die schnellen und gut durchgeführten Rettungsaktionen der italienischen Regierung momentan international gelobt werden, sorgen Berlusconis Reaktionen ein mal mehr für Kopfschütteln. Die Menschen in L'Aquila zweifeln teilweise stark daran, dass bald Gelder zur Hilfe und zum Wiederaufbau fließen. Als der Ministerpräsident mit einem Fernsehsender über die Unterbringung der Opfer in Zeltlagern sprach, räumte er ein, diese seien zwar "absolut provisorisch". Er äußerte aber auch, dass es den Menschen dort an nichts mangelt und fügte hinzu: "Man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende."

Für die Erdbebenopfer in Italien muss eine solche Aussage sehr spöttisch klingen, andererseits sind sie verbale Fehltritte des 72-Jährigen gewohnt. Wichtig ist nur, dass die ganze Welt nach dem Erdbeben in Italien helfen will und, dass die Regierung dies bald zulässt.

Bild: LaPresse

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