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Ermittlungspanne um den Amoklauf von Winnenden?

Nachdem gestern in der Pressekonferenz zum Amoklauf von Winnenden bekannt gegeben wurde, Tim K. hätte seine Tat in der Nacht zuvor im Internet angekündigt, wird die Echtheit dieser Ankündigung inzwischen heftig bezweifelt. Man geht von einer groben Ermittlungspanne aus. Was das Motiv des 17-jährigen Amokläufers angeht, so würde man wieder im Dunkeln tappen.

Der Betreiber der Internetseite "Krautchan.net" mutmaßt, dass der gestern vom baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech präsentierte Online-Chat eine Fälschung sei. "Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können" ist momentan auf der Seite von "Krautchan" zu lesen. Die Seite ist offline, da sie zu kleine Server für den aktuellen Ansturm betreibt. Unter der polemischen Überschrift "Qualitätsjournalimus" steht eine statische Erklärung. Dort wird auch über Tim K. geschrieben: "Vielleicht hat er die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert."

Heribert Rech räumte inzwischen ein: "Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt." Gestern sprach er noch von handfesten Beweisen. Claudia Krauth von der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte laut "Welt Online": "Wir sind wie vor den Kopf gestoßen." Die Ermittlungen beginnen nun wieder bei Null. Seltsam ist allerdings, wie ein Jugendlicher aus Bayern behaupten konnte, er habe den Eintrag vor dem Amoklauf lesen können. Außerdem soll ein weiterer Jugendlicher aus "Mitteldeutschland" den Chat ebenfalls verfolgt haben. Polizeisprecher Brenner sagte, dass die Zeugen heute vernommen werden sollen. Ein weiterer Aspekt, der für eine Fälschung spricht, ist, dass auf dem Computer von Tim K. anscheinend kein entsprechendes Protokoll des Chats gefunden wurde.

Die Plattform "Krautchan" weist daraufhin, dass es den Eintrag niemals gegeben habe und man das selbst durch die Cache-Funktion von Google überprüfen könnte. Rech weist Kritik an voreiligen Schlüssen aus den Ermittlungen zurück. Ob Tim K. den Amoklauf von Winnenden tatsächlich im Internet ankündigte, weiß scheinbar niemand so recht... an der schrecklichen Tat würde dies aber auch nichts mehr ändern können.

Bild: Screenshot Bild.de

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