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Freiwillig ins Gefängnis - In den Niederlanden keine Seltenheit

Freiwillig ins Gefängnis? Das macht so wohl erst mal niemand. Aber wie sieht es aus, wenn man ein saftiges Gehalt erhält und sich dafür stellvertretend für einen zahlenden Übeltäter einsperren lässt? In den Niederlanden ist freiwillig ins Gefängnis gehen scheinbar eine boomende Industrie. Dort hat eine Untersuchungen jetzt nämlich ergeben, dass tausende Sträflinge nicht die waren, die sie sein sollten.

Insgesamt 10.000 Gefangene ließ die Staatsanwaltschaft überprüfen. Dabei wurden 1700 kleinere Fehler festgestellt, wie z.B. falsch geschriebene Namen. Dazu kamen noch 200 richtige Fälschungen. Schon vor 8 Jahren war eine eher stichprobenartige Untersuchung eingeleitet worden. Damals fand man unter 700 Gefangenen 46 "Stellvertreter". Am Häufigsten ist der Schwindel bei relativ kurzen Haftstrafen, von einigen Tagen bis zu mehreren Monate zu beobachten. Hierbei geht es um kleinere Delikte wie Betrug, Erregung öffentlichen Ärgernisses oder Geldwäsche. Solche Vergehen werden nämlich in speziellen Haftanstalten verbüßt, wo die Kontrollen recht lasch sind.

Nun stellte sich heraus, dass es schon seit Mitte der 80er-Jahre eine Agentur gibt, die bei dem Schwindel im Gefängnis hilft. Ursprünglich hatte es sich um einen Freundschaftsdienst gehandelt, da ein Verurteilter seinen gebuchten Urlaub nicht verpassen wollte. Inzwischen betreibt "Agentur-Chef" Harry das ganze professionell und hat mehrere Männer im Stab, die für Geld nicht davor zurückscheuen "eine gewisse Periode auf Reisen zu gehen." Harry erklärt auch, warum jemand bis zu 50.000 Euro dafür zahlt, dass ein Stellvertreter freiwillig für ihn ins Gefängnis geht. "Meine Kunden sind alles Menschen, die durch eine Haftperiode kräftig an Einkommen einbüßen. Es sind Computerspezialisten, Ärzte, Steuerberater, Werbefachleute, Modemacher und andere Selbstständige", sagt er.

Tatsächlich hat die Agentur auch eine Berufsethik. Für Menschen, die andere Geschädigt haben oder betrunken einen Unfall gebaut haben, schicke er niemanden freiwillig ins Gefängnis, sagt Harry. Seine Stellvertreter seien meisten Menschen, die gerne lesen und etwas Ruhe brauchen oder gerade eine Beziehung beendet haben. Die niederländische Justiz will nun natürlich gezielt gegen das Treiben mit den freiwilligen Gefängnisinsassen vorgehen.

Quelle: stern.de
Bild: Christopher (Flickr)

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