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"Gastro-Rassismus" in Lucca – Italienische Stadt verbietet ausländische Restaurants

Die Regierung der toskanischen Stadt Lucca hat ein Gesetz erlassen, dass es ab sofort ausländischen Restaurants und Fast-Food Ketten verbietet, sich in der historischen Altstadt niederzulassen. Mit dem Erlass will die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben das pitoreske Stadtzentrum vor sog. Ethno-Lokalen schützen.

Schnell musste man sich aber den Vorwurf des "Gastro-Rassismus" gefallen lassen. Besonders, da ja erst einmal schwer zu definieren ist, was überhaupt ausländische Restaurants sind, bzw. wo dort jeweils die Grenzen gezogen werden. Dass eine freie Marktwirtschaft bestimmte Restaurants verbieten will, sollte eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Die konservative Stadtverwaltung aber rechtfertigt ihr Vorgehen mit der Begründung, man wolle die einheimische Spezialitätenküche schützen und bewahren – auch wolle man die Altstadt frei von herumliegendem Müll aus den Schnellrestaurants halten. Konkret heißt das neue Gesetz also, "keine neuen Kebab-Buden, thailändischen oder libanesischen Restaurants", wie Stadtsprecher Massimo Di Grazia erklärte.

Sturm gegen das Verbot und den "Gastro-Rassismus" laufen aber nicht nur Oppositionelle, sondern auch eine ganze Reihe an Köchen und Restaurantbesitzern. "Es gibt kein Gericht auf Erden, das nicht auf einer Mischung von Techniken, Produkten und Aromen aus Kulturen beruht, die sich über die Zeit vermengt haben", sagte der berühmte Fernsehkoch Vittorio Castellani. Und auch Stadtrat Allesandro Tambellini sprach in der Zeitung 'Corriere della Sera' von einem "diskriminierenden Verbot der Abschottung".

Stadtsprecher Di Grazia aber widersprach dem Vorwurf der Diskriminierung und des "Gastro-Rassismus" natürlich vehement. Auf der einen Seite gäbe es in anderen Städten ein solches Verbot bereits seit längerer Zeit, und auf der anderen Seite dürften bestehende Ethno-Lokale und Restaurants natürlich weiter bestehen. Auch dürften französische Restaurants seltsamerweise eröffnet werden - wie fremd also ein Restaurant schließlich sein dürfte, konnte Di Grazia nicht definieren. So viel also zum Gastro-Rassismus aus Lucca, Italien.

Quelle: Welt.de
Bild: viZZZual.com (Flickr)

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