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Hoffnung für Wolfsmädchen Bhawana

Ein Bild von Bhawana Thami geht um die Welt: Das Gesicht des kleinen Mädchens ist zur Hälfte mit dichtem Haar bedeckt. Eine einzelne Träne rinnt über die behaarte Wange und sie strahlt endlosen Kummer und tiefe Einsamkeit aus. Nun gibt es Hoffnung für das Mädchen.

Bhawana Thami ist neun Jahre alt und sie ist mit einer seltenen Krankheit geboren worden. Ein haariges Melanom bedeckt seit ihrer Geburt das halbe Gesicht und lässt sie aussehen wie ein kleines Wolfsmädchen. Sie wurde verspottet, andere Kinder nannten sie "Boksi", eine Hexe, zeigten mit dem Finger auf sie oder rannten weg vor ihr. Einen Spiegel hatten sie nie im Haus. In einem nepalesischen Dorf wie dem der Eltern von Bhawana wäre dies ein teurer Luxus. Aber vor allem wollte die Familie Thami ihre Tochter schützen und hatte deshalb keinen. Erst als sie acht Jahre alt war, sah sich Bhawana Thami zum ersten Mal im Spiegel.

Bhawanas Krankheit ist aber nicht nur unschön, sie ist ebenso gefährlich. Die wuchernde Haut muss medizinisch behandelt werden, sonst könnte daraus Hautkrebs entstehen. Die kleine Nepalesin hat Glück, denn eine Kinderhilfsorganisation, die "Child Workers in Nepal" (CWIN), ist auf sie aufmerksam geworden und Shankarman Rai, ein Arzt aus der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, hat sich bereit erklärt, die notwendigen Operationen unentgeltlich durchzuführen. Die erste Operation fand im März 2012 statt und dauerte sechs Stunden. Der plastische Chirurg Rai wurde in den USA ausgebildet und hat die behaarte Haut durch Haut aus dem Oberschenkel ersetzt. Im Februar diesen Jahres ist es ihm gelungen, fast die gesamte Behaarung aus dem Gesicht zu entfernen. Wenn Bhawana vierzehn wird, muss sie erneut unters Messer und danach wird von dem "Wolfsmädchen" nichts übrig sein glaubt der Mediziner.

Bhawana ist inzwischen in ihr Dorf zurück gekehrt und plötzlich Teil der Gemeinschaft geworden. Die anderen Kinder spielen mit ihr und sie besucht die Schule. Der nepalesische Fotojournalist Narendra Shrestha hat das Schicksal von Bhawanas dokumentiert. "Bhawana Thami war zuerst nur ein Fotojob für mich", sagt er. "Doch nachdem ich sie fotografiert und das Bild meinen Kollegen gezeigt hatte, wusste ich, dass mein Job noch lange nicht vorbei war". Die Dokumentation wurde "Hoffnung" genannt und mit dem Foto der weinenden Bhawana erhielt Shrestha vier Preise.

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