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In Neapel sonnten sich Urlauber neben zwei Leichen

An einem Strand bei Neapel sonnten sich die Urlauber seelenruhig neben zwei Mädchenleichen. Fotos davon haben in Italien bereits für eine große Diskussion gesorgt. Die zwei Roma-Mädchen Christina (13) und Violetta (12) ertranken im Meer. Eine solche Meldung ist in Neapel nicht unbedingt eine Seltenheit, doch anschließend wurden sie an den Strand gelegt, mit Handtüchern bedeckt und liegen gelassen. Fotografen machten zahllose Aufnahmen der Leichen, Urlauber blieben in sicherer Entfernung bei ihren Aktivitäten und die Behörden ließen auf sich warten.

Die Roma sind in Italien meist, wie auch sonst auf der Welt, eine verarmte Minderheit. Die beiden Mädchen verließen am 19. Juli mit zwei weiteren Freundinnen ihre arme Siedlung im Norden Neapels, um am Strand zu betteln und Magnete zu verkaufen. Als sie Mittags eine Pause machten und sich ins Wasser stellten, wurden sie von der starken Strömung ins Meer gezogen. Violetta und Christina konnten nicht schwimmen. "Die Wellen trugen sie an die Klippen, dort schlugen sie mehrfach mit den Köpfen auf", sagte ein Polizist der Presse. Badegäste sprangen ins Wasser, aber es war bereits zu spät. Zwei Jugendliche aus dem Ort konnten etwa eine Stunde später die Mädchenleichen aus dem Wasser ziehen.

Da die Gerichtsmedizin nicht kam, blieben die Mädchenleichen liegen und so entstanden die Motive von leblosen Körpern und sich sonnenden Urlaubern dahinter. Sowohl die Medien als auch der Erzbischof von Neapel zeigten sich empört. Das Verhalten der restlichen Badegäste und auch das der Fotografen enttäuscht die italienische Öffentlichkeit. Die Bilder seien "schrecklich, schlimmer als alle vom Müllnotstand", hieß es.

Gerade weil die neue Regierung Berlusconis härter gegen das Volk der Roma vorgeht, wird nun in Italien diskutiert, ob den Mädchen ausreichend geholfen wurde. Der Bürgermeister von Monte di Procida, Franco Iannuzzi, will sich nun um die Eltern der Mädchen kümmern, auch wenn diese bisher sehr abweisend reagierten. Er stellte aber auch klar: "Ich war selbst dort. Wir haben die Strandbesucher aufgefordert, nach Hause zu gehen." Alle haben der Forderung aber nicht Folge geleistet. Einige Urlauber in Neapel sonnten sich unbesorgt weiter neben den Mädchenleichen.

Quelle: Welt Online
Bild: YouTube

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