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In Polen bekommen Schwule und Lesben eine kirchliche Therapie

Eine Therapie für Schwule und Lesben gegen ihre Homosexualität? Das klingt zunächst mal etwas mittelalterlich und ist in unserem Wertesystem eigentlich undenkbar. In Polen gibt es solche Maßnahmen aber trotzdem. Und als ob allein der Gedanke nicht schon kurios genug sei, bringt man den Männern dort z.B. Fußballspielen bei, um sie von ihrer "Krankheit" zu befreien.

In Polen bekennen sich mehr als 90% der Bevölkerung zum katholischen Glauben, ein sehr konservatives Land also. Homosexualität gilt unter vielen Menschen im besten Fall als Sünde, wird teilweise auch als Krankheit oder Seuche verschrien. In einer solchen Umgebung reden sich Homosexuelle oft selbst ein, ihre Neigungen seien etwas schlechtes. In diesen Fällen können sie ein sogenanntes Odwaga Zentrum besuchen, Odwaga ist das polnische Wort für Mut. Dort wird den lesbischen Frauen das Kochen beigebracht und die schwulen Männer werden tatsächlich im Umgang mit dem Fußball geschult. Zu dieser Therapie beten die Homosexuellen, um schließlich ihr Leben selbst bestimmen zu können.

Tatsächlich wird bei Odwaga den Homosexuellen das "Schwulsein" oder das "Lesben-Dasein" nicht ausgetrieben. Sie helfen ihnen durch die Therapie, ihr eigenes "Schicksal" zu ertragen. Psychologin Lena Wojnowicz von Odwaga sagt: "Das Ziel ist nicht, den Patienten zu ändern oder umzupolen. Das Ziel ist, ihn darauf vorzubereiten, seine Neigung zu akzeptieren." Außerdem spricht sie von Sünde, Keuschheit und einem Leiden. Mit dem Leiden meint sie die Neigungen der Schwulen und Lesben. Also sehen auch die Verantwortlichen von Odwaga die Homosexualität als Krankheit, allerdings als unheilbare. Die einzige Therapie liegt in der Überwindungen durch den Glauben, unvorstellbare Gedanken.

Noch unvorstellbarer ist, dass die Odwaga-Therapie in Polen sehr erfolgreich ist. Immer mehr Menschen kommen, um ihre homosexuellen Neigungen in den Griff zu bekommen. Die Methode kann sich über Jahre hinziehen, schließt Unterstützung für Familienmitglieder der "Betroffenen" ein. Der Erfolg des Programms liegt in der Tatsache, dass es sich als Schwuler oder Lesbe nicht einfach lebt im konservativen Polen. Über die Hälfte der Bürger betrachtet Homosexualität als Sünde, noch mehr meinen, solche Menschen sollten ihre Orientierung geheim halten, 47% sind sogar der Meinung, Homosexuelle sollten daran arbeiten. Ein Blick nach Polen macht also klar, Therapien für Schwule und Lesben sind doch nicht so undenkbar.

Quelle: Welt Online
Bild: Mark Crossfield (Flickr)

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