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Integration in Deutschland: Muslim darf kein Schützenkönig sein

  • Ralf Haifisch / Twitter

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) liefert derzeit ein Paradebeispiel für kleinbürgerliche Fremdenfeindlichkeit, ein Muslim wurde in Werl-Sönnern zum Schützenkönig geehrt, doch der (BDHS) will ihm seine Königskette wieder abnehmen. Beim Bezirksschützenfest darf der türkischstämmige Mithat Gedik nicht für Sönnern antreten.

Dabei ist der 33-Jährige in Deutschland integriert, wie kaum ein anderer Bürger mit Migrationshintergrund. Gedik ist verheiratet, mit seiner Frau Melanie hat er vier Kinder und der gelernte Kaufmann leitet die Niederlassung eines großen Unternehmens in Mannheim. Nebenbei ist er in der freiwilligen Feuerwehr aktiv und ist im Vorstand des Schützenvereins. Deutscher und spielßbürgerlicher geht es kaum noch. Zumal er auch noch katholische Religion als Abiturfach wählte.

Doch Schützenkönig darf er nicht sein. Das erklärt Rolf Nieborg, der Sprecher des BDHS gegenüber der dpa mit einer gewissen Portion Arroganz: "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil", spöttelt er. "Die haben ihre eigene Satzung nicht gelesen." Nieborg spielt darauf an, dass es in Paragraf 2 der Satzung heiße, dass der Schützenverein in Sönnern "eine Vereinigung von christlichen Menschen" sei.

Der Bruderschaft in Werl-Sönnern droht nun der Rauswurf aus dem Dachverband. Der Vorstand habe sich schon beim BDHS entschuldigt. Und genau das hat Rolf Nieborg wohl erwartet. "Die haben einen Fehler und wollen den nun korrigieren", meint er und hat sogar gönnerhaft ein paar Ratschläge parat: "Die könnten den König um Abdankung bitten oder ihn zum Bürgerschützenkönig machen." Außerdem habe der Dachverband der Bruderschaft in Sönnern wohl geraten, den Muslim zum Konvertieren zu überreden.

Gedik kann wegen dieses Vorfalls nur mit dem Kopf schütteln. Das habe alles nichts mit Integration, sagt er. Ihm sei es unverständlich, dass im 21. Jahrhundert noch solche Diskussionen geführt werden. Aber solange Menschen wie Rolf Nieborg noch etwas zu sagen haben, wird man wohl nicht darum herum kommen. Der Sprecher des BDHS poltert weiter. Der Schützenverein habe wohl nicht nach seiner Konfession gefragt, weil er so gut integriert sei. Und wer in einen Fußballverein gehe, kann auch nicht einfach fordern, dass Handball gespielt werde, man müsse sich schon an die Satzung halten. Nieborg vergisst dabei aber, dass es für solche Leute, dann Handballvereine gibt. Für Mithat Gedik gibt es dagegen keine Alternative zum christlichen Schützenverein.

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