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Joachim Gauck: Der zukünftige Bundespräsident

  • Foto: Michael Lucan/pixeldost

Es ist vollbracht: Angela Merkel verkündete am Sonntagabend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Parteichefs von CSU, FDP, SPD und Grünen die Kandidatur von Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten: "Dieser Mann kann uns wichtige Impulse geben für die Herausforderungen unserer Zeit und der Zukunft."

Aber sie hat wohl die bitterste Niederlage ihrer Amtszeit einstecken müssen. Eine Dreiparteienkoalition hat ihr einen Kandidaten aufgezwungen, den sie vor fast zwei Jahren noch mit allen Mitteln als Bundespräsident verhindert hat.

Doch wer ist Joachim Gauck? Und wie haben die Medien auf diese Ernennung reagiert. Hier haben wir ein paar Pressestimmen zusammengefasst:

Süddeutsche Zeitung: Joachim Gauck ist ein geschickter und verbindlicher Mann, seine Stärke ist das predigerhafte Pathos (...) Er ist kein einfacher Kandidat, er ist einer, der emotional denkt, emotional redet und bisweilen auch emotional handelt. Er wird ein schwer kalkulierbarer Präsident sein, er wird für Irritationen sorgen.

Die Welt: Die Popularität Gaucks war die ganze Zeit über kein Geheimnis. (...) Nun hat Deutschland einen Präsidenten, der eine Situation wie die Euro-Krise schon einmal erlebt hat. Joachim Gauck sollte bald nach Griechenland fahren. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine Gesellschaft wankt. Er kann die richtigen Worte finden.

Bild: Die Deutschen haben fast eine Generation nach dem Mauerfall Joachim Gauck verdient. Er ist der 'Präsident der Herzen' und er ist der Qualifizierteste. (...) Es ist ein frischer Wind, der durch die Politik weht. Die Sache steht plötzlich über der Taktik. Und die Kanzlerin erkennt: Souveränität ist die schönste Form der Macht. Die Personalie Gauck ist mehr als eine Personalie. Es ist eine Chance für einen neuen Politikstil.

Rheinische Post: Zugleich hat Merkel Gespür für die Meinung des Volkes bewiesen. Denn Gauck genießt bei den Wählern einen großen Vorsprung vor den anderen möglichen Kandidaten. Und wenn Integrität die wichtigste Eignung für den neuen Präsidenten ist, kommt man an dem mutigen Streiter für Demokratie und Freiheit in der DDR einfach nicht vorbei. Damit ist noch nicht gesagt, ob er auch ein guter Bundespräsident wird. Er hat aber alle Chancen dafür.

Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung: Das ist eine gute Nachricht für die demokratische Kultur unseres Landes. Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident. Es war gut, dass sich auch die Union schnell auf den Kandidaten von SPD und Grünen einigen konnte. Vor allem die Kanzlerin musste sich einen Ruck geben. (...) Aber gerade sie weiß, dass der ehemalige DDR-Bürgerrechtler nicht nur große politische Unterstützung genießt, sondern schon jetzt mit der Sympathie der Mehrheit der Deutschen rechnen kann. (...) Joachim Gauck hat sein Leben lang für die Demokratie gekämpft, in der DDR-Diktatur auch gelitten, weil Freiheit ein kostbares Gut ist. Einer Partei kann man diesen Mann schwer zuschlagen, dafür ist sein Denken zu selbstständig. Er selbst sagt über sich, er sei ein "linker, liberaler Konservativer".

Westdeutsche Zeitung: Wenn es nach den Bürgern ginge, hätten sich Koalition und Opposition alle Gespräche über einen Nachfolger für Christian Wulff sparen können. Mehr als jeder Zweite wünscht sich Joachim Gauck als neuen Hausherrn von Schloss Bellevue. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler gilt vielen in Deutschland schon lange als der gefühlte Bundespräsident, der Anstand, Moral und Integrität verkörpert – jene Eigenschaften, die durch die Wulff-Affäre arg in Mitleidenschaft gezogen worden sind. (...) Die Entscheidung für Gauck ist richtig. Er ist parteipolitisch unbefleckt, verfügt dennoch über politische Erfahrung. Er ist unbestechlich und hat Autorität. Gauck ist jemand, der in Euro- und Wirtschaftskrise eine Ruckrede halten kann. Jemand, der den Bürgern das Vertrauen in die politische Klasse zurückgibt.

Nordwest-Zeitung: Es spricht für Angela Merkel, ihren Widerstand gegen den "Präsidenten der Herzen" aufgegeben zu haben. Das verdient Respekt. Sie hat damit, wenn auch nach anfänglichem Zögern, wahr gemacht, was sie angekündigt hatte. Sie ging bei der Suche nach einem neuen Präsidenten auf die Opposition ein und stimmte einem Vorschlag zu, dem eine breite Mehrheit in der Bundesversammlung gewiss ist.

Neue Osnabrücker Zeitung: Am Ende stand, gerade noch rechtzeitig, die Einigung. Dass die Kanzlerin nachgab, entspricht ihrem pragmatischen Stil: Ihre Ablehnung hätte niemand verstanden und wäre Keimzelle latenter Unzufriedenheit mit jedem anderen Kandidaten gewesen. (...) Gauck hat nun die Chance dazu, das Gegenteil zu beweisen – vielleicht sogar die beste, die es je gab. Er wird parteiübergreifend gestützt, hat eine glaubhafte Biografie und genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen.

Schwäbische Zeitung: Warum ist Joachim Gauck so beliebt? Weil Überparteilichkeit hoch im Kurs der Wähler steht, weil Überparteilichkeit längst zum Markenzeichen geworden ist.

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