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Joachim Gauck ist der neue Bundespräsident - Die Pressestimmen

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Am gestrigen Sonntag ist Joachim Gauck in der Bundesversammlung mit 991 Stimmen zum neuen Staatsoberhaupt gewählt worden, das entspricht einer Zustimmung von 80%. Heute nimmt er seine Amtsgeschäfte in Berlin auf. Um 11 Uhr wird er zur Amtsübergabe im Schloss Bellevue auf Christian Wulff treffen.

Der neue Bundespräsident Gauck kündigte an, dass er an wichtige Themen seines Vorgängers Wulff anknüpfen werde. So will er sich zum Beispiel auch dem Integrationsthema widmen.

Die Vereidigung des elften Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen. Angst vor dem Druck, von vielen Bürgern als Lichtgestalt wahrgenommen zu werden, hat Gauck nicht: "Liebe Leute, ihr wisst es doch genau: Ihr habt keinen Heilsbringer und keinen Heiligen, sondern einen Menschen aus der Mitte der Bevölkerung."

Gauck ist auch zuversichtlich was seine Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angeht, welche sich zunächst gegen Gauck ausgesprochen hatte: "Ich habe ihr in die Augen geschaut, und ich habe keinen Grund zu misstrauen."

Joachim Gaucks Rede nach der Wahl zum Bundespräsidenten

Und was sagt die Presselandschaft zum neuen Bundespräsidenten? Hier haben wir eine kleine Zusammenfassung:

Hannover Zeitung: "Wir Bürger dürfen uns auf einen Präsidenten freuen, der etwas zu sagen hat, selbst wenn es gelegentlich wie eine Predigt klingt. Joachim Gaucks großes Lebensthema bleibt "Freiheit". Das hat er in seiner Ansprache erneut deutlich gemacht hat. Schon mäkeln die Superschlauen, er müsse sich einmal etwas Neues einfallen lassen: Atom, Umwelt, Internet usw. Aber ein Allesversteher im höchsten Staatsamt, der jedem flüchtigen Trend hinterherhechelt, wäre ein Graus."

Westdeutsche Zeitung: "Wenn Gaucks Begriff von Freiheit auch die Ideen derer umfasst, die mit Kraft und Leidenschaft etwas aus ihrem Leben machen wollen, ohne gegängelt zu werden, und gleichzeitig jene nicht vergisst, die ohne die Hilfe der Gesellschaft kein angemessenes Leben in Freiheit führen können, dann wird er wirklich ein Bürgerpräsident sein. Dann wird er auch die überzeugen, die ihn heute noch für eitel, hartherzig und für zu intellektuell halten."

Süddeutsche Zeitung: "Gauck glaubt daran, dass Demokratie darin besteht, Zukunft miteinander zu gestalten – und nicht darin, sie allein von den gewählten Politikern gestalten zu lassen. Gauck könnte also ein Präsident sein, der das sperrige Wort Zivilgesellschaft entsperren kann. Wenn das die Kraft der Freiheit ist, an die Gauck so gern appelliert, dann freut man sich auf ihre Wirkung. (...) Demokratie muss man lernen, immer wieder, an jedem Tag, nicht nur an Wahltagen. Gauck lehrt, ja er predigt das."

Bild: "Gauck ist gerade kein ,Konsens-Präsident‘. Sondern einer, der frischen Wind will – auch Gegenwind. Deshalb sagt er Dinge, die oft vergessen werden: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern fordert viel – von allen. Aber Joachim Gauck weiß auch: Freiheit braucht Verantwortung. Integration braucht selbstbewusste Gastgeber; soziale Gerechtigkeit braucht eine starke Wirtschaft. Ein starkes Programm. Kann er das schaffen? Ja, er kann!"

Die Welt: "Von dieser Wahl geht aber vor allem wegen der Person des Bundespräsidenten kein Anti-Parteien-Affekt aus. Denn er ist trotz seiner persönlichen Parteienabstinenz ein lebhafter Befürworter des Parteienwesens. Er wird für die repräsentative, von Bürgern wie Parteien getragene Demokratie werben, und es steht nicht zu erwarten, dass er wie mancher Vorgänger der Versuchung erliegen wird, das erste Amt im Staate gegen die politische Klasse in Stellung zu bringen und sich in Schloss Bellevue als Oberlehrer der Nation aufzuführen. Joachim Gauck hat das Zeug zum Aufbruch in neue Gefilde und Gebirge. Er ist ein deutsch-deutscher Migrant und verkörpert den Auszug aus dem Reich der Unfreiheit und die Ankunft im verwirrenden, unübersichtlichen Reich der Freiheit."

Frankfurter Rundschau: "Vieles spricht dafür, dass Joachim Gauck ein guter, ein würdiger Präsident werden wird. Der Mann ist klug, hat eine eindrucksvolle Biografie vorzuweisen, er kann reden und hat dabei etwas zu sagen. Zum ersten Mal steht jetzt ein Ostdeutscher an der Spitze des Staates, neben Angela Merkel an der Spitze der Regierung. Dass darüber kaum noch geredet und geschrieben wird, zeigt, wie sehr sich die alte, rheinisch geprägte Bundesrepublik in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat. Ja, sie ist in der Tat östlicher geworden, weiblicher, protestantischer."

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