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Was ist aus den Kindern von Bahnhof Zoo geworden

Die Zeitschrift Exberliner interviewte Sabine, Ralf und Teddy, drei Freunde von Christiane F., die durch ihren Debütroman in den 70er Jahren bekannt wurde, in dem sie von ihren Erfahrungen mit Drogen im Rahmen des damaligen West-Berlins, in der Gegend um den Zoologischen Garten, erzählt.

Sabine

Sabines Geschichte beginnt 1975 im S.O.U.N.D Club, damals eine der bekanntesten Diskotheken Berlins. Nachdem sie in einem Reinickendorfer Waisenhaus aufgewachsen ist, zieht sie mit 16 Jahren nach Kreuzberg und beginnt in besetzten Häusern zu leben. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet sie als Prostituierte vor dem Club. So lernte sie Christiane kennen und mit ihr die Drogen.

Heute ist Sabine 57 Jahre alt und lebt in Kreuzberg. Sie erhält eine Erwerbsunfähigkeitsrente, weil ihr Drogenmissbrauch zu mehreren Thrombosen in ihren Beinen geführt hat. Sie hat den Kontakt zu fast allen Zeitgenossen des Zoos verloren, die meisten von ihnen sind tot.

Ralf

Ralf ist jetzt 63 Jahre alt. Er kam mit 17 Jahren in die Szene, wegen seiner älteren Schwester. Zuerst rauchte er Haschisch, um einer schwierigen Familiensituation zu entkommen, dann fing er an, Leute auszurauben, mit anderen Junkies in besetzten Häusern zu leben und bei S.O.U.N.D. abzuhängen. Zurück in der Stadt, fand Ralf den Glauben. Er heiratete, 1982 schrieb er ein Buch, "Spiegelbilder: eine Antwort an die Kinder vom Bahnhof Zoo", eine offene Antwort auf Christiane F.s Roman. Heute arbeitet Ralf für eine Computerfirma. Seine aktuellen Gedanken? Er ist gegen alle Arten von Drogen, auch gegen Marihuana: "Die Bewegungen für eine Legalisierung erkennen nicht, welche Folgen das für die Gesellschaft haben könnte."

Teddy

Teddy, der im zarten Alter von 8 Jahren zur Zoo-Crew stieß, hat fast zwei Jahrzehnte seines Lebens obdachlos verbracht. Von seiner Mutter verlassen, als er noch sehr klein war, lief er aus dem Waisenhaus weg und landete in der Gegend um die Haltestelle Zoo, wo er Christiane traf. "Sie war so etwas wie eine Stiefmutter für mich", sagt er. Damals war Christiane 16 Jahre alt und lebte mit ihrem Freund Detlef zusammen. Während seiner Teenagerjahre wurde Teddy von einer Familie adoptiert und zog nach Süddeutschland. Mit Anfang zwanzig kehrte er in die Hauptstadt zurück, fand seine Kindheitsgruppe und begann, vor dem berühmten S.O.U.N.D. Drogen zu verkaufen.

Heute ist Teddy 47 Jahre alt und lebt in Ahrensfelde, in einer vom Jobcenter bezahlten Wohnung. Seit 1995 verkauft er die Zeitschrift Motz auf der Straße und verdient damit bis zu 50 Euro pro Tag.

Die Autorin: Christiane Felscherinow, alias Christiane F.

1978 beschlossen zwei Journalisten, die Geschichte von Christiane Felscherinow zu veröffentlichen, einem Mädchen, das in den 1970er Jahren im Stadtteil Neukölln aufwuchs. Der Roman war so erfolgreich, dass er 1981 auch verfilmt wurde. Im Jahr 2013 veröffentlichte sie einen zweiten Roman, "Mein zweites Leben", in dem sie davon erzählt, wie sie Mutter wurde und in der Folge das Sorgerecht verlor, bis sie sich 1990 in ein Rehabilitationsprogramm begab. Trotz eines anfänglichen Erfolgs, der mit dem Namen des Autors verbunden war, war das Buch ein Flop. Heute ist Christiane 55 Jahre alt und lebt in der Nähe des Hermannplatzes, wo sie oft mit ihren Hunden unterwegs ist.

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