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Kindesmissbrauch: Bundesregierung schaltet sich ein

In den letzten Tagen wird Deutschland lawinenartig von immer neu auftauchenden Fällen von Kindesmissbrauch an Schulen, Kirchen und anderen Einrichtungen überrollt. Es geht um sexuellen Missbrauch und um gewalttätige Unterrichtsmethoden. Nun schaltet sich die Bundesregierung ein und richtet einen Runden Tisch unter Vorsitz von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Zunächst war nur die katholische Kirche betroffen. Geistliche hätten sich kleinen Jungs unsittlich genähert und wären Dauergast auf Internetseiten mit kinderpornographischem Inhalt. Inzwischen hat sich dieser Skandal auch auf die evangelische Kirche und christlich orientierte Schulen ausgeweitet. Brutale Unterrichtsmethoden und sexuelle Übergriffe: Viele Kinder durchlitten anscheinend ein langes Martyrium.

Bei dem berühmten Chor 'Regensburger Domspatzen' war Prügelstrafe laut der Tagesschau anscheinend an der Tagesordnung. Grün und blau seien sie von dem ehemaligen Internatsdirektor geprügelt worden, sagten jetzt mehrere frühere Domspatzen. Der ehemalige Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger, Bruder des Papstes, entschuldigte sich jetzt dafür bei den Opfern. Wenn er von diesen brutalen Methoden gewusst hätte, wäre er sofort eingeschritten.

Gleichzeitig gibt Ratzinger aber auch zu, in den 70er Jahren selbst Ohrfeigen verteilt zu haben, weil das eben 'früher die übliche Reaktion auf Verfehlungen und Leistungsverweigerung war'. Er sei aber froh gewesen, als in den 80ern die Prügelstrafe gesetzlich verboten wurde. Einerseits nichts davon gewusst, andererseits selbst geohrfeigt, obwohl er froh sei, als dies verboten wurde: Der Papst-Bruder gibt in dem ganzen Skandal eine ziemlich schlechte Figur ab.

Nun schreitet die Bundesregierung ein. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) möchte laut Focus online einen Runden Tisch einrichten. Daran sollen Schul- und Internatsträger, Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, Familienverbände und Vertreter von Ländern und Kommunen sitzen. Dabei soll es unter anderem darum gehen, ob Missbrauchsfälle tatsächlich verjähren sollten. Aktuell leitet die Staatsanwaltschaft Darmstadt ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere ehemalige Lehrer an einer Reformschule im hessischen Odenwald ein, berichtet Focus online. Einige Fälle könnten die Verjährungsfrist noch nicht erreicht haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derweil zufrieden damit, wie die katholische Kirche mit den Vorfällen umgehe. Die Kirche habe Offenheit im Umgang mit den schlimmen Tatsachen gezeigt und ihre Verantwortung wahrgenommen, meinte die Kanzlerin.

Bild: YouTube,Regensburger Domspatzen

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