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Makaber: Nazi-Verbrecher Heinrich Müller auf jüdischen Friedhof Berlin-Mitte beerdigt

Es ist ein makaberes Stück deutscher Geschichte: Heinrich Müller, ab Oktober 1939 Chef der Gestapo zu Zeiten des Nationalsozialismus, wurde in einem Massengrab ausgerechnet auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Mitte beigesetzt.

Heinrich Müller war als Chef des Amtes IV (Gestapo) des Reichssicherheitshauptamtes an nahezu allen Verbrechen der Nationalsozialisten in planender und führender Position beteiligt und gilt maßgeblich als einer der am Völkermord an den Juden in der Sowjetunion Beteiligten. "Gestapo-Müller" unterstand das von Adolf Eichmann geleitete "Judenreferat" IV B 4, das die so genannte "Endlösung der Judenfrage" koordinierte und umfänglich im Holocaust endete.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gingen die alliierten Geheimdienste davon aus, Heinrich Müller hätte den Krieg überlebt und sei im Ausland untergetaucht. So gab es Berichte, Müller sei per Flugzeug in die Schweiz geflohen. Seit Mai 1945 galt er als verschollen, insbesondere die Häufigkeit des Familiennamens Müller erschwerte die Suche nach ihm.

"Die Geheimdienste lagen vollkommen falsch. Müllers Leiche wurde im August 1945 in einem provisorischen Grab in der Nähe des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums von einem Beerdigungskommando gefunden", reklamiert Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, in der heutigen Donnerstagsausgabe der "Bild"-Zeitung. Eine eindeutige Identifizierung des Leichnams war damals durch den Fund seines Dienstausweises mit Foto in der Brusttasche seiner Uniform möglich. Heinrich Müller überlebte das Kriegsende nicht, indes sei seine Leiche in der Folge in einem Massengrab auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Mitte beigesetzt worden, kann der Geschichtsprofessor mit Dokumenten, die er aus zahlreichen Archiven zusammengetragen habe, der "Bild"-Zeitung zufolge belegen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, sieht dabei verständlicherweise "das Andenken der Opfer grobschlächtig mit Füßen getreten", zitiert ihn die "Bild"-Zeitung: "Dass einer der brutalsten Nazi-Sadisten ausgerechnet auf einem jüdischen Friedhof begraben ist, das ist eine geschmacklose Ungeheuerlichkeit."

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