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Neue Geschlechtskategorie: Männlich, Weiblich, Anderes

Heute hat der Ethikrat seine Stellungnahme zum Thema Intersexualität veröffentlicht und empfiehlt darin, dass Intersexuelle sich zukünftig nicht mehr als männlich oder weiblich einordnen müssen: Es soll die neue Geschlechts-Kategorie "anderes" eingeführt werden.

So soll endlich mit der vielfältigen Diskriminierung der "Menschen mit Besonderheiten der geschlechtlichen Entwicklung" Schluss sein, auch Operationen an den Genitalien sollen nur noch mit Einverständnis des intersexuellen Menschen durchgeführt werden dürfen, denn bis heute geben viele Ärzte den Babys mit unklar ausgebildeten Geschlechtsorganen per Operation ein eindeutiges Geschlecht. Die Kinder unterscheiden sich in ihren Geschlechtschromosomen, in Hormonen oder Geschlechtsorganen von der üblichen Normvorstellung, so dass hier dann zum Beispiel eine 'zu große' Klitoris 'reduziert' oder Keimdrüsen entfernt werden, die nicht zu dem Geschlecht passen.

Dadurch sind viele im späteren Leben auf psychologische Betreuung angewiesen, denn ob das Kind später mit dem 'anoperierten' Geschlecht zurechtkommt, ist nicht garantiert. Eben diesen Bürgern soll auch ein Hilfsfond zur Verfügung gestellt werden, um die ungewollte Geschlechtsoperationen zu entschädigen. Allerdings gibt es keine konkrete Zahl der zu Unrecht Operierten.

Das heißt, in Zukunft, wenn ein Kind ohne klar ausgebildetem Geschlechtsorgan geboren wird, haben die Eltern womöglich die Wahl zu entscheiden, ob ihr Kind ein Mädchen, ein Junge oder "anders" ist. Die Entscheidung über eine solche Operation solle jeder intersexuelle Mensch später für sich treffen dürfen. Allerdings räumt der Ethikrat diese Entscheidung auch den Eltern ein, wenn sie aufgrund von "unabweisbaren Gründen für das Kindeswohl erforderlich ist". Wie viele Menschen in Deutschland intersexuell sind, ist unter Forschern umstritten. Der Ethikrat geht von 8000 bis 10000 Menschen aus, wobei Interessengruppen von vielen mehr ausgeht.

Das zuständige Ratsmitglied Michael Wunder weiß "dass dieser Vorschlag kulturell, gesellschaftlich sehr viele Fragen aufwerfen wird." Aber Deutschland könne international ein Signal für mehr Toleranz senden. Im Dezember 2010 erhielt der Deutsche Ethikrat von der Regierung den Auftrag, eine Stellungnahme zum Thema Intersexualität zu erarbeiten, nachdem ein UN-Ausschuss die Bundesregierung aufgefordert hatte, die Menschenrechte intersexueller Menschen in Deutschland besser zu schützen.

Grüne und Linke fordern bereits seit Jahren eine einschneidende Reform der Gesetze und begrüßten die Empfehlungen. "Wir müssen akzeptieren, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Mit der Stellungnahme des Ethikrats wird endlich der Fokus auf die Menschenrechte von intersexuellen Menschen gerichtet, die in der Vergangenheit so schwer verletzt wurden", erklärte Barbara Höll, Sprecherin der Linksfraktion.

Allerdings gibt es in der Stellungnahme auch einen Kritikpunkt seitens der Interessengruppen: Intersexuelle Menschen dürfen - nach dem Ethikrat - nicht heiraten, sondern sollen eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Da stellen sich die Kritiker zu Recht die Frage, ob Eltern die Kategorie 'anderes' für ihr Kind wählen, wenn sie wissen, dass diese Entscheidung die spätere Eheschließung ihres Kindes in Frage stellt.

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