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Papst spricht mit Missbrauchsopfern

Bereits gestern berichteten wir von Papst Benedikt und dem Beginn seiner USA-Reise. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte recht deutliche Kritik an amerikanischer Diplomatie und dem Krisenmanagement nach den Pädophilie-Skandalen in den Staaten.

Nun ging Papst Benedikt noch einen Schritt weiter: Gestern traf er sich unangekündigt mit einer kleinen Gruppe von heute erwachsenen Missbrauchsopfern katholischer Priester. Er nahm sich die Zeit, einige Minuten mit jedem der fünf Männer und Frauen zu sprechen, spendete ihnen Hoffnung und Mut und betete mit allen zusammen. Das Treffen wurde als sehr emotional beschrieben, einige der Teilnehmer seien in Tränen ausgebrochen.

Papst Benedikt auf seiner sechstägigen USA-Reise



Im Jahr 2002 kamen nach und nach die Einzelheiten der Missbrauchsskandale ans Licht. Mehr als 5.000 Priester sollen sich seit den 50er Jahren an über 13.000 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Die katholische Kirche stürzte in eine tiefe Krise und versuchte vieles zu vertuschen. Insgesamt musste sie zwischenzeitlich gut zwei Milliarden US-Dollar an Entschädigungen zahlen, allein im letzten Jahr sollen es 400 Millionen gewesen sein.

Pabst Benedikt verurteilte die Verheimlichungsversuche und die Verbrechen selbst. Er sprach aber auch von einem Werteverfall und der moralischen Fragwürdigkeit der heutigen Medien. Als Höhepunkt seiner Reise gilt die heutige Rede des Papstes vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN).

Benedikts Handlungen sind bei den Missbrauchsopfern weitgehend positiv aufgenommen worden. Ein Sprecher des "Netzwerks der vom Missbrauch durch Priester betroffenen Opfer" nannte es einen "lange erwarteten Schritt in die Richtung". Gestern noch kritisierten die Missbrauchsopfer den Papst, so berichtete FOCUS Online, da er Bischöfe, die pädophile Priester deckten, nicht aus ihren Ämtern entließ.

Quelle: WELT Online
Bild: Howie Berlin (Flickr)

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