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Schuhattacke auf Wen Jiabao

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao ist in Großbritannien mit einem Schuh beworfen worden. Vor kurzem war in Bagdad noch eine ähnliche Attacke auf den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush unternommen worden. Wie auch im Irak verfehlte der Angreifer den Politiker hier knapp.

Bei seiner dreitägigen Großbritannienreise hielt Wen Jiabao auch eine Rede an der Elite-Universität von Cambridge, hier ging es unter anderem um die Wirtschaftsbeziehungen der Länder in der Finanzkrise. Ein Demonstrant unterbrach die Rede des Chinesen, indem er plötzlich aufsprang und rief: "Wie könnt ihr dem nur unbeteiligt zuhören?" Dazu pfiff er in eine Trillerpfeife, nahm einen seiner Schuhe und schleuderte ihn in Wen Jiabaos Richtung. Direkt im Anschluss wurde er von Sicherheitskräften festgenommen. Verschiedene Medien berichten er habe dabei noch gerufen: "Das ist ein Skandal. Wie könnt ihr den Lügen dieses Diktators zuhören?" und "Wie kann eine Universität sich vor diesem Diktator prostituieren?"

Die Schuhattacke auf Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao

Während sich George W. Bush vor wenigen Wochen noch ducken musste, um dem ausgelatschten Wurfgeschoss ausweichen zu können. Verfehlte der Angreifer in Cambridge den chinesischen Minsterpräsidenten um ca. einen Meter, vielleicht war sein Schuh ja auch eher als Stinkbombe gedacht.

Bereits bei der Ankunft Wens hatten Menschen außerhalb des Auditoriums lautstark gegen China und seine Tibet-Politik demonstriert. Der Angreifer wurde wegen Ruhestörung festgenommen und anschließend verhört. Wen Jibao fuhr ruhig fort, einer seiner Mitarbeiter entfernte ebenso ruhig den Schuh aus der Nähe des Ministerpräsidenten. Am Ende seiner Rede verurteilte er den Angriff aber dennoch, was zum tösenden Beifall der überwiegend chinesischstämmigen Studenten führte. Universitätssprecher Tim Holt sprach sich ebenso gegen den Vorfall aus: "Die Universität ist ein Ort von Diskussionen, Debatten und wohlüberlegte Argumente, nicht aber fürs Schuhwerfen."

In China werden nicht viele Bürger etwas von diesem Vorfall erfahren. Die staatlich kontrollierten Medien berichteten nicht darüber, im Fernsehen war ein mal von einer "Störung" die Rede und im Internet sind alle Links zu Berichten über die Schuhattacke enfernt worden. Das ist nicht weiter seltsam oder verwunderlich. Was hingegen schon seltsam ist: Nach den Attacken auf Bush und Wen Jiabao muss man inzwischen annehmen, dass sich Schuhewerfen langsam als ein probates Mittel in der Politik durchsetzt.

Quelle: Spiegel Online, Welt Online
Bild: YouTube

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