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Sterbehilfe mit der "Exit Bag" - ein umstrittenes Thema

Passive und Aktive Sterbehilfe sind schon seit jeher umstrittene Themen um ethische Prinzipien und eine verschwommene Gesetzeslage. Viele Menschen sind der Meinung, dass niemand das Recht besitzt jemanden aus dem Leben zu entlassen oder verlängernde Maßnahmen zu verweigern. Andere wiederum machen den langen Kampf gegen schwere Erkrankungen mit und bekommen so eine andere Sicht auf die Dinge. In Belgien, den Niederlanden und der Schweiz gibt es bereits legale Formen der Sterbehilfe, aber gerade hier ist die Lage noch sehr ungeklärt.

Hierzulande kämpft die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) schon seit den 80er-Jahren für die Möglichkeit der Selbstbestimmung für Kranke und Sterbende. Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht, die Bedingungen für Sterbende zu verbessern, also auch zwangsläufig die Rechtslage zu verändern. Ingesamt 35.000 Mitglieder zählt die DGHS heute, alle zahlen Jahresbeiträge von 42 Euro oder einmal 770 Euro für das ganze Leben. Dafür organisiert die DGHS z.B. die 'Akademie für Sterbebegleitung' mit bundesweiten Vorträgen und Seminaren. Außerdem leitet die Gesellschaft auch an Vertreiber so genannter 'Exit Bags' weiter, einer sehr umstrittenen Methode Selbstmord zu begehen.

Die 'Exit Bags' sind eigentlich nur Plastiktüten mit von Frottee umhülltem Gummibund. Zieht man sie sich über den Kopf dauert es mehrere Stunden, bis man endgültig erstickt ist. In den 90er-Jahren machten einige DGHS-Mitglieder Schlagzeilen, weil sie auf diese Art den Suizid oder Sterbehilfe vollzogen hatten. Die Kriminologin Christine Swientek findet es nicht nur unverantwortlich, dass die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben für Zeitschriften wirbt, die 'Exit Bags' verkaufen. Vor allem die Auslese der DGHS-Mitglieder, die nachweislich schwerkrank sein müssen, hält sie für problematisch. Das vermittle 'Du erfüllst die Kriterien, du kannst gehen. Es legt den Menschen nahe: Du bist nicht mehr viel wert: Willst du den Exit Bag?', sagt Swientek.

Nicht nur, dass es qualvolle Stunden sein können mit der 'Exit Bag', nicht selten wachen diejenigen wieder auf und tragen bleibende Schäden davon. Außerdem könnte es die Traumatisierung von jemandem bedeuten, der als Sterbehelfer dabei ist. Während oft vermittelt wird, die 'Exit Bag' biete eine humane Möglichkeit zusterben, entgegnet Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung: 'Der Tod mit der Plastiktüte ist aber kein leichter Tod. Da steckt unheimlich viel Zynismus dahinter.'

Es ist nicht klar, wie viele Menschen den Tod durch die Plastiktüte wählen und ob es sich dabei immer um Formen der Sterbehilfe handelt. Klar ist, dass meistens eine Verbindung zur DGHS besteht und es nicht schwierig war, an die Plastiktüte heranzukommen. Dadurch wird die 'Exit Bag' auch zum Diskussionspunkt in der Debatte um Gesetze zur Sterbehilfe werden.

Quelle: FAZ.net
Bild: ves.org.nz

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