Excite

Stuttgart 21: Es wird weiter gebaut

Bei keinem zweiten Bauwerk der Gegenwart wurde so gestritten wie beim Schienenprojekt Stuttgart 21. In den 90ern beschlossen, ist über Sinn oder Unsinn bereits alles gesagt worden.

Nun hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn auf einer Sondersitzung beschlossen, den unterirdischen Bahnhof weiter zu bauen. In fast regelmäßigen Abständen hatte die Deutsche Bahn Mehrkosten verkündet. Nun lautet die Summe für das Projekt 6,5 Milliarden Euro und liegt damit gut zwei Milliarden Euro über dem vereinbarten Rahmen.

Vielen ist das zu viel, selbst die Aufsichtsräte der DB sind ins Grübeln gekommen. Die Projektpartner - das Land Baden-Württemberg, die Stadt und die Region Stuttgart - wollen die Milliarden-Mehrkosten nicht tragen, müssen aber damit rechnen, dass die Summe vom Vorstand gerichtlich eingefordert wird. Der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geht aber davon aus, dass sich sowohl das Land als auch die Stadt Stuttgart an den Mehrkosten beteiligen werden. Er sagte, dass die Bahn jetzt erst einmal weitere Verhandlungen mit den Projektpartnern führe. Der Bahn-Aufsichtsrat hatte sich vom Vorstand davon überzeugen lassen, dass ein Weiterbau wirtschaftlicher wäre, als ein Abbruch des Projektes. Mit der Fertigstellung werde frühestens im Jahr 2022 gerechnet.

Die Grünen sind empört, weil die Deutsche Bahn trotz horrender Mehrkosten an Stuttgart 21 festhält. Sie haben scharfe Kritik geübt an dieser Entscheidung und wollen das Projekt zum Wahlkampfthema für die Bundestagswahl machen. Anton Hofreiter, Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, sagte am Dienstag, die Entscheidung für den Weiterbau sei "ein Skandal" und schob die Verantwortung dafür Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu. Renate Künast ist überzeugt, dass der mehr als umstrittene Bahnhof die Bundesregierung viele Stimmen kosten werde. In Deutschland gebe es überall marode Straßen, Staus und verspätete Züge. "Das nervt die Menschen", sagte sie im Interview und fährt fort: "Wer wie Frau Merkel unterirdische Bahnhöfe baut, statt echte Probleme zu lösen, bekommt dafür die Quittung."

Ramsauer hingegen begrüßte die Entscheidung des Aufsichtsrats für eine Aufstockung des Kostenrahmens und er sei dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) dankbar dafür, "dass das Land Baden-Württemberg keine Ausstiegsdebatte führen will". Daraus ergebe sich natürlich eine Beteiligung an den Mehrkosten.

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2016