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Urteil zugunsten von Transgender-Mädchen: Coy darf auf die Mädchentoilette

Eltern im US-Bundesstaat Colorado hatten gegen eine Grundschule geklagt. Diese hatte dem Transgender-Mädchen Coy den Zugang zur Mädchentoilette verweigert. Das aber sei diskriminierend - so lautet die Gerichtsentscheidung.

Coy Mathis ist als Junge geboren worden. Vier Jahre lang deutete nichts auf das hin, was dann geschah: Coy wollte ein Mädchen sein. Mutter Kathryn erinnert sich: "Auf einmal begann Coy nur noch Kleider von der Schwester anzuziehen, am liebsten in der Farbe pink." Coy bestand auf einen "Dora the Explorer"-Mädchenbadeanzug, wollte lange Haare tragen und im Kindergarten stellte sich Coy immer in der Mädchenschlange an. Behandelte jemand Coy wie einen Jungen, bekam sie Wutausbrüche und weinte. Aus Protest wollte sie nicht mehr in den Kindergarten und auch zum Spielen ging sie nicht mehr aus dem Haus.

Ein Psychiater hat Coy untersucht und bestätigt, dass sie Transgender sei - in Wirklichkeit ein Mädchen, aber im Körper eines Jungens gefangen. Nach diesem Ergebis ließen die Eltern sowohl Coys Geburtsurkunde als auch ihren Ausweis ändern. Von da an akzeptierten im Kindergarten Coy alle als Mädchen. Sie trug Kleider, hatte lange blonde Haare und sie hatte viele Freundinnen. "Sie war richtig glücklich", so Mutter Kathryn.

In der Grundschule fing dann alles von vorn an: Schon zwei Monate nach der Einschulung wurden die Eltern vom Schulleiter angerufen. "Sie wollten meiner Tochter nicht mehr erlauben, die Mädchentoilette zu benutzen. Coy sollte zu den Jungs gehen oder die geschlechtsneutrale Toilette der Lehrer und Angestellten benutzen. Und wenn sie das nicht wolle, könne sie auch das WC benutzen, das für die kranken Schüler vorgesehen war," erzählte Coys Mutter in einer TV-Sendung. Die Begründung war, dass sich andere Eltern unwohl fühlen würden. Jeremy und Kathryn Mathis wollten diese Anordnung nicht hinnehmen. Sie protestierten und nahmen ihre Tochter von der Schule. "Das alles machte für uns keinen Sinn", sagte Vater Jeremy. "Coy hatte so viele Freundinnen auf der Schule und war sehr froh darüber, endlich ein Mädchen sein zu dürfen." Auch Coy war enttäuscht über das Verhalten des Schulleiters: "Sie sagen mir, dass ich ein Junge bin. Dabei bin ich doch ein Mädchen."

Der Streit mit der Schulleitung eskalierte und die Eltern reichten schließlich bei einem Zivilgericht in Denver Klage ein. Sie stützten sich auf das in Colorado geltende Anti-Diskriminierungsgesetz, das Transgender-Personen vor jeglicher Diskriminierung schützt. Nun hat die Familie Recht bekommen: Die Verweigerung der Mädchentoilette habe dem Mädchen Coy "das Recht auf Gleichbehandlung unter Schülern genommen", so der Urteilsspruch.

Coy, die in der Zwischenzeit zuhause unterrichtet worden ist, darf nun wieder zur Schule gehen - und auf die Mädchentoilette. Die Familie ist zwischenzeitlich umgezogen, es wird also eine neue Schule sein. "Als ich meiner Tochter erzählt habe, dass wir gewonnen haben, hat sie mich mit großen Augen und ihrem strahlenden Lächeln angesehen", erzählt Mutter Kathryn. Ihre Tochter habe sie dann gefragt: "Mama, darf ich jetzt wieder zur Schule gehen und neue Freunde finden?"

Prozessbeobachter haben das Urteil als "wegweisende Entscheidung" bezeichnet. Zum ersten Mal sei in de USA gerichtlich darüber entschieden worden, welche Toilette Transgender-Schüler benutzen dürften. Der Anwalt der Familie Mathis und Vorsitzender der US-Organisation "Transgender Legal Defense and Education Fund", Michael Silverman, sagte: "Es gibt Tausende von Familien, denen es genauso geht wie den Mathis und die jetzt erleichtert über dieses wichtige Urteil sind."

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