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USA: Frei nach 18 Jahren Gefangenschaft im Hinterhof

Auf offener Straße wurde vor 18 Jahren die damals 11-jähriges Jaycee Lee Dugard in den USA entführt. Ihr Peiniger Philip Garrido hielt die heute 29-Jährige die ganze Zeit in einem Hinterhofschuppen in dem Ort Placerville gefangen und zeugte zwei Kinder mit ihr. Erst jetzt wurde die Polizei auf den vorbestraften Sexualstraftäter und religiösen Fanatiker aufmerksam.

Zwei Unbekannte zogen Jaycee Lee Dugard 1991 in einen Wagen. Das Mädchen war auf dem Weg zum Schulbus und habe sich mit Tritten gewehrt. Ihr Stiefvater Carl Probyn musste alles aus weiter Entfernung mit ansehen. Der heute 60-Jährige galt lange Zeit als Verdächtiger. Der Entführungsfall erinnert an die Fälle Kampusch und Fritzl aus Österreich. Jaycee Lee wurde wie Natascha Kampusch am hellichten Tag entführt. Und wie Josef Fritzl missbrauchte auch Philip Garrido sein Opfer sexuell und zeugte mit ihr Kinder. Die beiden Töchter von Jaycee Lee Dugard sind heute 11 und 15 Jahre alt. Sie brachte sie allein zur Welt, als sie selst 14 und 18 Jahre alt war.

Philip Garrido, den Nachbarn und Bekannte laut spiegel.de als "fanatisch" und "aggressiv" beschreiben, sei nun über seinen religiösen Fanatismus gestolpert. Er habe an einer Universität religiöse Pamphlete verteilen wollen und dabei die beiden von ihm gezeugten Mädchen mitgenommen. Einer Polizistin kam das Verhalten des Mannes verdächtig vor. Sie befragte Garrido und forderte den Vorbestraften auf, sich bei seinem Bewährungshelfer zu melden. Garrido, der 1971 wegen Entführung und Vergewaltigung eine Haftstrafe absitzen musste und nur auf Bewährung in Freiheit war, tat dies in Begleitung seiner Frau. Außerdem sei noch eine angebliche Verwandte namens Allissa dabei gewesen. Dabei handelte es sich um Jaycee Lee Dugard, wie sich schnell heraus stellte.

Die Polizei entdeckte hinter dem Haus der Garridos einen versteckten Hinterhof, der weder von Nachbarn noch vom Bewährungshelfer einsehbar war. Dort lebten Jaycee Lee Dugard und die beiden Mädchen jahrelang in einem schalldichten Schuppen und einem Zelt. Ärzte oder eine Schule hätten die Kinder und auch Dugard nie gesehen. Es gehe allen den Umständen entsprechend aber gut. Unterernährt seien sie nicht.

Nachbarn erklärten dem Fernsehsender CNN, dass Garrido in den letzten Jahren immer merkwürdiger wurde und sein religiöser Fanatismus zunahm. Er habe nur noch Dinge geschwafelt, die keinen Sinn ergeben würden. Aber etwas Böses hätten sie nicht von ihm gedacht. Er sei halt verrückt gewesen. Andere Nachbarn gaben an, dass Garrido schnell reizbar und aggressiv auftrat. Der Entführer selbst gab jetzt dem Fernsehsender KCRA aus dem Gefängnis heraus ein Telefoninterview. Dabei sagte er, dass die Polizei bei Untersuchung des Falles auf eine "herzerwärmende und überwältigende Geschichte" stoßen würde. Die Geburt seiner jüngsten Tochter habe sein Leben zum Besseren verändert.

Jaycee Lee Dugard und ihre beiden Töchter würden sich nun mit ihrer Mutter Terry Probyn an einem unbekannten Ort aufhalten. DNA-Tests würden zwar noch ausstehen, aber es bestehe kein Zweifel, dass es sich bei der 29-Jährigen um Jaycee Lee Dugard handele, weil sie familiäre Fragen, die nur sie wissen könne, richtig beantwortet habe.

Ihr Stiefvater Carl Probyn, der die Entführung damals mit ansehen musste, nannte es einen "Lottogewinn", dass Jaycee Lee endlich wieder frei sei. Der 60-Jährige sei erleichtert und verbittert zugleich. Dadurch, dass er als Verdächtiger galt, sei seine Ehe zerbrochen. Als seine Ex-Frau Terry Probyn ihn anrief und ihm erzählte, dass Jaycee Lee Dugard nach 18 Jahren Gefangenschaft wieder frei sei, hätten beide minutenlang nur geweint.

Stiefvater Carl Probyn im Telefoninterview mit ABC

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