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Verhör-Video von Guantánamo zeigt Schlafentzug

In den USA ist das Video eines umstrittenen Verhörs in Guantánamo veröffentlicht worden. Es zeigt die Befragung eines 16-Jährigen, der angeblich mit Schlafentzug gefoltert wurde. Der als Terrorverdächtiger festgehaltene Kanadier Omar Khadr soll 2002 in Afghanistan einen Soldaten umgebracht haben, die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2003. Das insgesamt sieben Stunden lange Video von Omar Khadr wurde heimlich über mehrere Tage durch einen Luftschacht gefilmt, der Sender CNN zeigte gestern einen Ausschnitt.

Der Ausschnitt zeigt den 16-jährigen Omar Khadr völlig am Ende

Khadr gibt an, während seiner Gefangenschaft in Guantánamo durch Folter zu falschen Geständnissen gedrängt worden zu sein. Der heute 21-Jährige ist im Video in völliger Verzweiflung zu sehen. Er weint ohne Kontrolle, reißt sich das Hemd vom Körper, um Narben der Folter zu zeigen. Khadrs Verteidiger William Kuebler redet von 3 Wochen gezieltem Schlafentzug, die den Jungen "gefügiger und williger" zu machen. Unter Tränen habe er außerdem versucht, seine Folter-Geständnisse rückgängig zu machen. Das ist, was das Video zeigt.

Ähnlich erging es schon dem in Guantánamo inhaftierten Fahrer von Osama Bin Laden. Der heute 37-Jährige war laut seines Anwalts Brian Mizer Opfer der "Operation Sandman". Verhörprotokolle sollen belegen, dass ihm 50 Tage der Schlaf verwehrt blieb.

Bereits im Juni hatten Ärzte bei ehemaligen Guantánamo-Gefangenen deutliche Anzeichen von Folter festgestellt. Im selben Monat konnte sich zum ersten Mal ein Häftling gerichtlich gegen die Willkür des Strafgefangenenlagers wehren. Immer neue Vorwürfe werden erhoben von Menschenrechtlern wie Amnesty International.

Schlafentzug wird von Häftlingen oft als unmenschlich empfunden, der psychische Druck ist enorm. US-Staatsanwälte haben jedoch erklärt, dass es sich nicht um eine Foltermethode handelt. Omar Khadrs Verhör-Video von Guantánamo lässt diese Einschätzung erneut wackeln.

Quelle: FOCUS Online
Bild: YouTube

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