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Wenn die Erde bebt

Schwere Erdbeben wie gerade in Italien werfen immer wieder neue Fragen über die Erforschung der Naturgewalten auf. Was genau passiert eigentlich bei einem Erdbeben und wo ereignen sich große Katastrophen? Wie gut sind die Frühwarnsysteme und sind die Deutschen z.B. auch betroffen?

Erdbeben gibt es schon so lange wie es die Welt gibt, in der Antike schrieb man die Erschütterungen des Erdkörpers häufig den Göttern zu. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts weiß man, dass die Erde aus tektonischen Platten in der Erdkruste und einem oberen, verformbaren Erdmantel besteht. Diese Platten bewegen, verhaken und verkanten sich, dadurch wird teilweise enorme Spannung aufgebaut. Zwar weiß man, wo auf der Erdoberfläche die Platten aneinanderliegen, die Spannung aber beschränkt sich keinesfalls auf die Plattengrenzen. Die ruckartigen Entladungen bewegen die Erdkruste und es kann so zu Erdbeben fast überall auf der Welt kommen, die meisten Beben werden aber in Japan und im "Pazifischen Feuerring" rund um den Pazifik gemessen.

Durch die heftige Naturgewalt eines Erdbebens können andere Katastrophen wie Tsunamis und Erdrutsche ausgelöst werden. Die Stärke eines Erdbebens wird heute mit der sogenannten Magnitüde angegeben, die Zahlen der Richterskala setzen die physikalische Gewalt der Beben ins Verhältnis zueinander. In Italien wurde in der Nacht zum Montag eine 6,3 gemessen. Der höchste Wert wurde 1960 in Chile gemessen (9,5), beim Seebeben im indischen Ozean wurde 2004 eine 9,1 gemessen, durch die verursachten Flutwellen verloren 230.000 Menschen ihr Leben.

Die Erdbebenforschung, die sogenannte Seismologie, konnte in den letzten Jahrzehnten schnelle Fortschritte erzielen, aber wirklich sichere und verlässliche Frühwarnsysteme gibt es noch nicht. Die einzelnen Faktoren bei der Entstehung sind von der Wissenschaft weitgehend entschlüsselt, das Zusammenspiel aber erweist sich bislang als zu komplex. In einzelnen Fällen können Erdbeben kurzfristig vorausgesagt werden, in einigen Teilen Japans z.B. werden Züge aufgrund dieses Warnsystems angehalten.

Auch in Deutschland hat es schon einige Erdbeben gegeben. Häufig treten relativ unbemerkte "Kleinbeben" in der sogenannten Kölner Bucht auf, die sich von Basel bis zu den Beneluxstaaten erstreckt, also auch über Deutschlands Westen. Im Jahr 2002 wurde z.B. eine 5,0 in der Nähe von Aachen gemessen und im August 2007 eine 3,9 im rheinland-pfälzischen Plaidt. Seismologin Monika Sobiesiak sagte gestern im Interview mit "Stern.de" sogar: "Es gibt auch ein Szenario, dass Köln heftig getroffen werden könnte: mit einem Erdbeben der Stärke 6,0."

Hat man es tatsächlich mal mit bebender Erde zu tun, so findet man am ehesten unter Türrahmen und bei tragenden Wänden Schutz, auch ein besonders stabiler Tisch kann vor herabfallenden Deckenteilen schützen. Ist man im Freien, sollte möglichst großer Abstand zu Gebäuden und Stromleitungen gehalten werden. Nach einem Beben gilt es, Ruhe zu bewahren. Utensilien zur Ersten Hilfe, wichtige Unterlagen, Taschenlampen und Batterien sollte man bei sich führen. Der Schweizerische Erdbebendienst hat ein Merkblatt mit genauen Verhaltensregeln herausgegeben, ein paar Sicherheitsmaßnahmen schaden nicht, auch wenn man es bisher nie mit Erdbeben zu tun hatte.

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