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Winnenden: Amoklauf-Ermittlungen gehen weiter

Am Mittwochmorgen wurde in ganz Baden-Württemberg in einer Schweigeminute der Opfer des Amoklaufs von Winnenden gedacht, am kommenden Samstag werden bis zu 100.000 Teilnehmer bei der offiziellen Trauerfeier erwartet. Derweil suchen die Ermittler noch immer nach Spuren und Motiven aus dem Umfeld und Zuhause von Tim K. und die Eltern des Amokläufers schrieben einen offen Brief an die Presse.

Wie "Spiegel Online" vermeldet wurde der Brief über die Kanzlei des Anwalts der Familie veröffentlicht. Darin sprechen die Eltern von Tim K. den Angehörigen aller Opfer ihr "tiefstes Mitgefühl" und beschreiben ausführlich ihre eigene Fassungslosigkeit. In dem Schreiben heißt es außerdem: "Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben?"

Noch immer konnten die Ermittler nicht klären, ob es sich bei der Internet-Ankündigung des Amoklaufs um eine Fälschung handelt oder nicht. Derzeit warte man auf Informationen vom amerikanischen Chat-Betreiber und durchsuche den Computer von Tims Mutter. Auch gäbe es Hinweise darauf, dass Tim K. aus einem Internetcafé geschrieben haben könnte, somit ist das Thema der Ankündigung auch längst noch nicht vom Tisch. Die Kaufhauskette Kaufhof reagiert auf ihre eigene Weise auf den Amoklauf von Winnenden. Laut "Focus Online" sollen Spiele und Filme, die keine Jugenfreigabe haben, bis April komplett aus den Regalen verschwunden sein. Eine Sprecherin des Unternehmens redete von "sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung".

Der "Stern" veröffentlichte nun außerdem ein exklusives Interview mit Igor Wolf, dem Mann, der zwei Stunden als Geisel in seinem Auto mit Tim K. verbracht hatte. Demnach hatte der 17-Jährige unter anderem gesagt: "Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?", worauf Wolf nur versuchte, das Thema zu wechseln. Auf die Frage nach seinen Beweggründen habe der Amokläufer nur geantwortet: "Aus Spaß, weil es Spaß macht." Wolf hatte zwei Stunden mit Tim K. verbracht und resümierte: "Wenn seine Eltern behaupten, der habe keine psychischen Probleme gehabt, dann muss ich sagen: Das habe ich ganz anders erlebt, der war irre."

Am Montag beginnt für die Schüler der Albertville-Realschule wieder der Pflichtunterricht. Bis Normalität in Winnenden einkehrt, wird es noch sehr lange dauern, vor allem, da man täglich Neues über die Nachwirkungen des Amoklaufs hört.

Bild: YouTube

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