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Zehnter Jahrestag der Terroranschläge in Madrid

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Die Terroranschläge in Madrid 2004 forderten 191 Todesopfer und fast 2000 Verletzte - Spanien gedenkt am heutigen Jahrestag der Opfer des Terrors vor zehn Jahren.

Bis heute schmerzen die Anschläge von damals: Wie jeden Morgen rollte auch am 11. März 2004 um kurz nach halb acht ein voll besetzter Nahverkehrszug in den Bahnhof Atocha, einem Vorort von Madrid ein. Plötzlich explodierten in wenigen Minuten in vier Zügen mehrere Rucksack-Bomben. Einundert Kilo Sprengstoff rissen Dächer von den Waggons, zerfetzten die Zugsitze sowie Fenster und Türen. Und 191 Menschen verloren ihr Leben. Panik brach aus - Menschen liefen schreiend davon, Krankenwagen rasten nach Atocha und Hubschrauber flogen dröhnend über die Stadt. Überall lagen blutüberströmte Verletzte, auf den Bahnsteigen und auf den Bahngleisen.

Später, in den Krankenhäusern, mussten die Angehörigen unter den etwa 2000 Verletzten ihre Lieben finden, die teilweise so entstellt und verbunden waren, dass sie diese gar nicht erkannten. Ein Messepavillion wurde zu einem Leichenhaus umfunktioniert - so viele Tote konnte das Krankenhaus gar nicht aufnehmen.

Für José Maria Aznar, den konservativen Regierungschef Spaniens, war schnell klar, dass die Bomben von der baskischen Terrororganisation ETA gelegt worden waren: "Muss eine Regierung nach 30 Jahren Erfahrung mit dem Terror nicht logischerweise denken, dass es ETA war?" Und auch wenn schon wenige Stunden nach dem Massaker erste Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gefunden wurden, so blieb Aznar doch bei seiner These. Die Wahlen standen unmittelbar bevor und nur drei Tage vor der Abstimmung durfte es einfach keine Verbindung zwischen den Bombenanschlägen in Madrid und Aznars Pro-Irakkriegs-Politik geben.

Die Bevölkerung, noch immer geschockt, war ebenso wütend: Zehntausende Menschen gingen auf die Straße und riefen "Quien ha sido" - "wer war es?" Sie wollten nicht belogen werden. Die Konservativen verloren schließlich die Wahl und die Sozialisten übernahmen das Ruder. Sie machten eine Kehrtwende in der spanischen Außenpolitik, und José Luis Rodríguez Zapatero, der neue Ministerpräsident, löste sein Wahlversprechen ein. Er holte die spanischen Truppen aus dem Irak zurück.

Im Jahr 2007 wurden dann endlich die Urteile gegen die festgenommenen Attentäter von Madrid, ihre Helfer sowie die Hintermänner gesprochen. Jamal Zougam bekam 42 000 Jahre Haft - er war es, der die Handys besorgt hatte, mit welchen die Bomben ferngezündet worden waren. Von den insgesamt 24 Verurteilen sind inzwischen acht Täter wieder frei. Der neunte wird in dieser Woche aus dem Gefängnis entlassen.

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